Notre évêque nous parle

Tous les éditos > Bemühen wir uns auch um Syrien! (01/11/2013)


Liebe Mitchristen im Bistum Lüttich,

am 7. September folgten wir dem Aufruf des Papstes und beteten für Syrien. Eine Frage drängt sich auf: „Weshalb für die Syrer, für dieses muslimische Land mit seinen verworrenen Situationen beten? Sollen sie doch ihre Kämpfe unter sich austragen! „

Doch wussten Sie, dass einst ein Syrer uns evangelisierte, der zudem unser erster Bischof wurde? Servatius, ursprünglich Sarbatios, trug einen syrischen Namen. Er hätte ebenso sagen können: weshalb in den Norden des römischen Reiches zum Abenteuer ausgehen und diese Tungerer und Eburonen evangelisieren? Aber er ist gekommen und hat die Botschaft des Glaubens in unseren nördlichen und kalten Regionen eingeführt. Er wurde der erste Bischof von Tongern, nahm im Jahr 343 am Konzil von Serdica (das heutige Sofia) teil und ist in Maastricht begraben. Somit verdanken wir unseren Glauben einem Syrer, einem Mann arabischer Herkunft.

Also, bemühen wir uns auch um Syrien!

Dies war am 1. September das Anliegen von Papst Franziskus. Das könnte überraschen und besagen: „Ein Katholik, der sich um ein muslimisches und orthodoxes Land kümmert! Das sollte nicht sein Anliegen sein! Es sind nicht seine Glaubensbrüder und –schwestern!“  Er aber schaut weiter; Barmherzigkeit beseelt ihn. In einem kürzlich veröffentlichten Interview (Études, September 2013, S. 14) erklärt er: „Was die heutige Kirche am meisten benötigt, ist die Fähigkeit, Wunden zu heilen und das Herz der Gläubigen zu erwärmen: Nähe und Gastfreundschaft.“

Er hat die Eskalation des Konflikts, den Einsatz von Giftgasen und die Gefahren der Luftangriffe gesehen. Dem hat er die schwache Kraft des Gebetes entgegen gesetzt. Er hat das Gebet sogar vervielfacht, indem er die Katholiken in aller Welt zu einem gemeinsamen Friedensgebet für Syrien aufrief. Am 7. September fand diese Gebetswache auf dem Petersplatz in Rom und gleichzeitig in Millionen Kirchen auf der ganzen Welt statt; auch die Kathedrale von Lüttich war gut besetzt. Durch das Gebet hat der Papst jedem die Notwendigkeit spüren lassen, sich um die Leidgeprüften zu kümmern und für den Frieden zu wirken. Muslime, Orthodoxe und Protestanten haben sich uns angeschlossen. Dieses Gebet hat die Religionen zueinander geführt. Es hat die Christen der ganzen Welt engagiert, sich für den Frieden einzusetzen. Eine Woche später trafen die USA und Russland die Vereinbarung, Luftangriffe zu unterlassen und eine diplomatische Lösung anzustreben. Und in der letzten Septemberwoche, beim Schreiben dieser Zeilen, ist die Rede vom Auftauen der Beziehungen zwischen den USA und dem Iran, sowie von der Rolle der UN-Generalversammlung in dieser Angelegenheit. Ja, Gott hat unser Gebet erhört: „Wenn zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen“, hat Jesus gesagt.

Als Christen haben wir uns verbindlich auf einen Lebensweg eingelassen und müssen davon Zeugnis ablegen. Das Gebet ist das Herzstück unseres Ringens. Es macht die Herzen weit, es bringt uns Gott näher und öffnet die Herzen für sein Wirken.

Unser eigenes Unterwegssein bringt uns zwischen Allerheiligen und Weihnachten auch in Berührung mit Tod und Leben. Stellen wir uns dem Tod ohne ihn zu verdrängen -  wie es allzu oft in unserer Gesellschaft geschieht. Beten wir für die Verstorbenen, besonders für jene, die die Welt vergisst; möge Gott sie in seine Liebe aufnehmen. Beten wir für jene, die der Tod berührt und verletzt hat. Und bereiten wir uns auf Weihnachten, dem Fest des Lebens vor. Im Herzen des Winters lässt es in einer Welt, die oft in der Finsternis eingetaucht ist, das Licht aufleuchten. Seien wir Zeugen der Hoffnung!


In diesen Tagen, die die Welt verändern, übermittle ich allen meine herzlichsten Weihnachtswünsche, insbesondere den Leidenden und den Opfern von Gewalt!

Möge der Friedensfürst Sie und alle, die Ihnen lieb sind, segnen!


+ Jean-Pierre Delville
Bischof von Lüttich



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