Notre évêque nous parle

Tous les éditos > Die weibliche Seite der Kirche (01/05/2015)




Liebe Mitchristen,


 


am 1. Mai, zu Beginn des traditionell  Maria gewidmeten Monats, wird die Pilgersaison in Banneux eröffnet. Maria führt uns zu Jesus: „Was er euch sagt, das tut“, sagt sie auf der Hochzeit zu Kana (Joh 2,5). Mit diesen Worten verpflichtet sich Maria, Jesus zu folgen, und so wird sie später am Fuße des Kreuzes mit dem Jünger, den Jesus besonders liebte, stehen. Vom Kreuz richtet Jesus Worte der Hoffnung an sie: „Frau, siehe, dein Sohn!“ Maria erhält einen neuen Sohn, eine neue Nachkommenschaft, eine neue Hoffnung, ein neues Leben. Und an den Jünger richtet Jesus Worte, die ihn neu entstehen lassen: „Siehe, deine Mutter!“ (Joh 19,27). So wird die Gemeinschaft gegründet, deren Mutter Maria ist, eine Gemeinschaft von geliebten und liebenden Jüngern. So geht Maria uns in dieser Osterzeit als erste Gläubige und Mutter der Gläubigen voran. Sie verkörpert in gewisser Weise eine Kirche in der weiblichen Form.


 


Von Maria zu Mariette und Teresa


 


Die Worte, die Mariette Beco aus dem Munde der Gottesmutter in Banneux vernommen hat, sind Worte der innigen Liebe: „Ich bin die Jungfrau der Armen“ und „Ich komme, das Leiden zu lindern“. In einer Kirche, deren männliche Obrigkeit oft Worte der Verurteilung aussprach, sind die Worte der Frauen im Rahmen der Erscheinungen Worte des Friedens. Die heilige Theresa von Avila (1515-1582), deren 500. Geburtstag wir feiern, schrieb über das Hohelied (Gedanken über die Liebe Gottes, I, 8): „Wir Frauen dürfen uns nicht verwehren, uns an den Reichtümern des Herrn zu erfreuen.“ Die Heilige Schrift und insbesondere das Hohelied sollen in der Tat als eine Quelle des Friedens gelebt werden: „Worum können wir noch mehr bitten, als um das, worum ich dich bitte, mein Herr: dass Du mir diesen Frieden schenkst mit dem Kusse Deines Mundes (Hld 1,2)?“ Ich nehme diese Gelegenheit zum Anlass, um allen Frauen zu danken, die sich in der Kirche unserer Diözese auf sehr unterschiedlichen Ebenen einsetzen, manchmal auf sehr sichtbare, manchmal auf sehr unauffällige Art und Weise.


 


Die Gott-Geweihten


 


In diesem Jahr, das dem geweihten Leben gewidmet ist, schließen wir alle Ordensbrüder und Ordensschwestern und alle Geweihten in unser Gebet ein. Dabei sind die Frauen laut Statistiken von 2012 bei weitem in der Mehrheit: 720.000 Frauen und 190.000 Männer. Das Ordensleben ist eine prophetische Botschaft für unser Zeitalter. In einer von Individualismus geprägten Gesellschaft heben die Geweihten das Leben in Gemeinschaft hervor; wo Reichtum ist, leben sie Armut; wo Materialismus ist, leben sie Spiritualität; wo Gleichgültigkeit ist, leben sie Selbsthingabe; wo Gott vergessen wird, leben sie Gebet und Sendung. Die erste bekannte religiöse Gemeinschaft in unserer Diözese war eine Gemeinschaft von Frauen: die Schwestern des Stifts von Amay. Ihr Orden wurde von der heiligen Ode (verstorben vor dem Jahre 630) gegründet. In diesem Rahmen wird jeder Pfarrverband in unserer Diözese gebeten, einen Ordensmann oder eine Ordensschwester einzuladen, um im Laufe dieses Jahres des geweihten Lebens ein Zeugnis während einer Sonntagsmesse zu liefern. Bitte, denkt daran!


 


Pfingsten im Alltag


 


Da ich auf einen Jahrestag angespielt habe, möchte ich mit weiteren abschließen! Wir gedenken in diesem Jahr des Völkermords an den Armeniern und den syrischen Christen (Seyfo), der sich 1915 abgespielt hat. In Banneux wurde im August 2013 das erste Mahnmal der Welt, das an diese Tragödie erinnert, errichtet. Verschiedene Veranstaltungen sind im Gedenken an die Opfer vorgesehen. Dieses Drama verweist uns an das Zeitgeschehen im Nahen Osten und das Leiden der Christen und Muslime im heutigen Krieg. Wenn wir der Vergangenheit gedenken, spornt uns dies heute zur Solidarität an: Wie können die Völker miteinander versöhnt werden? Wie können wir die Sprache der Liebe von Pfingsten leben? In einem gelasseneren Kontext finden demnächst die Tausendjahrfeiern der Kirchen St. Barthélemy und St. Jacques in Lüttich statt. So stellen wir fest, wie sehr die christliche Brüderlichkeit durch Zeit und Raum Hoffnungsträger für die gesamte Menschheit ist. Dies ist Pfingsten im Alltag!


 


Euer Bischof


 


+ Jean-Pierre Delville



Accéder à tous les éditos