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Tous les éditos > Eine Kirche mit einer Sendung - Konferenz im Dekanat Eifel am 20. April 2016 (20/04/2016)


Eine Kirche mit einer Sendung


Jean-Pierre Delville


Konferenz in Eifel am 20. April 2016


  


Liebe Brüder und Schwestern,


 


Es ist eine Freude für mich, heute Abend bei Ihnen zu sein, um unser Engagement als Christen zu vertiefen. Ich werde heute Abend mit Ihnen mit Hilfe von Papst Franziskus nachdenken. Zunächst werde ich die Situation unserer Gesellschaft im Lichte seiner Enzyklika Laudato sì und der aktuellen Ereignisse beleuchten. Danach stelle ich Ihnen Aktionsvorschläge unseres Papstes anhand seines apostolischen Zuspruchs Evangelii gaudium, „die Freude des Evangeliums“ vor. Dies tue ich im Zusammenhang mit unserer örtlichen Situation und meinen persönlichen Überlegungen.


 


1.      Die Probleme in der Gesellschaft


 


Ich möchte über ein Ereignis sprechen, das mich als Bischof von Lüttich zutiefst berührt hat: es handelt sich um das Doppelattentat, das am 22. März im Brüsseler Nationalflughafen und in einer U-Bahnstation stattfand und bisher 34 Todesopfer und mehr als 300 Verletzte gefordert hat. Es handelte sich hier um die Verzweiflungstat eines Selbstmordkommandos, einer kleinen Gruppe von Terroristen, die bereits am 13. November 2015 in Paris eine schreckliche Tat begangen haben und die, kurz vor ihrer Entdeckung, wieder zuschlagen wollten. Am Flughafen nahmen die Terroristen willentlich eine Gruppe Juden und eine Gruppe Kinder ins Visier; in der U-Bahnstation in der Nähe der Einrichtungen der Europäischen Union töteten sie willkürlich Passanten. Darüber hinaus, fanden Attentate in Ouagadougou, Istanbul, Ankara, Grand Bassam, Tunis, Bamako und Beiruth statt. Und dazu kommen die zahlreichen Flüchtlinge, die aus Kriegsgebieten wie Syrien und Irak flüchten.


Welche Worte können wir als Christen für diese Gräueltaten verwenden? Wenn ich an die Attentäter denke, bin ich von ihrer Entschlossenheit betroffen, die in Blindheit umschlug. Terroristen wollen die größtmögliche Zahl an unschuldigen Opfern treffen; sie wollen eine Hassreaktion hervorrufen und unsere Gesellschaft spalten. Sie wollen auch einen Krieg zwischen Muslimen hervorrufen, indem sie die einen aufrufen Ihrer Sache zu folgen und die anderen auf Grund ihrer Laxheit stigmatisieren. Dieses Übel erklärt sich teilweise durch das Gefühl der Ausgrenzung, durch erlebte Ungerechtigkeiten hier und auf der ganzen Welt. Aber man fühlt auch, dass sich mysteriöse bösartige Kräfte in das menschliche Herz einschleichen. Also müssen wir auf Provokation und Kriegstreiben mit den Waffen der Gerechtigkeit und des Glaubens reagieren.


Es gibt auch die ökologischen Probleme der Gesellschaft. Papst Franziskus zeigt dies deutlich in seiner letzten Enzyklika zur Ökologie Laudato sì (LS) auf. Wir belasten die Atmosphäre, produzieren den Klimawandel; die Umweltverschmutzung zerstört Erde und Ozeane, und betrifft alle Pflanzen und Lebewesen, auch den Menschen.


Nehmen wir als Beispiel die Luft: « Das Klima ist ein gemeinschaftliches Gut von allen und für alle. Es ist auf globaler Ebene ein kompliziertes System, das mit vielen wesentlichen Bedingungen für das menschliche Leben verbunden ist. Es besteht eine sehr starke wissenschaftliche Übereinstimmung darüber, dass wir uns in einer besorgniserregenden Erwärmung des Klimasystems befinden.  » (LS 23).


Denken wir an das Wasser: « Sauberes Trinkwasser ist eine Frage von vorrangiger Bedeutung, denn es ist unentbehrlich für das menschliche Leben und für die Erhaltung der Ökosysteme von Erde und Wasser.  » (LS 28).


Erwähnen wir auch die Erde: « Die Ressourcen der Erde werden auch geplündert durch ein Verständnis der Wirtschaft und der kommerziellen und produktiven Tätigkeit, das ausschließlich das unmittelbare Ergebnis im Auge hat. Der Verlust von Wildnissen und Wäldern bringt  zugleich den Verlust von Arten mit sich, die in Zukunft äußerst wichtige Ressourcen darstellen könnten, nicht nur für die Ernährung, sondern auch für die Heilung von Krankheiten und für vielfältige Dienste. » (LS 32).


Und denken wir schliesslich auch an den Menschen: « Sowohl die allgemeine Erfahrung des alltäglichen Lebens als auch die wissenschaftliche Untersuchung zeigen, dass die schwersten Auswirkungen all dieser Umweltverletzungen von den Ärmsten erlitten werden. » (LS 48).


 


2.      Die Ursachen dieser Probleme


 


Der Papst gibt zwei Gründe an für die Umwälzung des Weltalls: die Technologie und der Individualismus. Die Technik entwickelt sich unkontrollierbar weiter. Sie gibt uns eine schreckliche Macht. Denken Sie an die Kernenergie: Sie kann die Erde zerstören. Aufgrund der Technologie neigen wir zu der Ansicht, « jede Zunahme an Macht sei einfachhin ‚Fortschritt’, Erhöhung von Sicherheit, Nutzen, Wohlfahrt, Lebenskraft, Wertsättigung, als gingen die Wirklichkeit, das Gute und die Wahrheit spontan aus der technologischen und wirtschaftlichen Macht selbst hervor » (LS 105).


 


Man könnte sagen, daß der Papst übertreibt, denn dank der Technologie verfügen wir  über einen nie dagewesenen Wohlstand: wir besitzen Autos, Flugzeuge, ergiebige Heizungen für unsere Häuser, haben eine wirksame Medizin, gut ausgestattete Krankenhäuser, usw… Doch ich glaube, dass der Papst eine Gesellschaft anprangern will, in der alles gemäss einer technologischen, mechanischen Logik gesehen wird. Wenn ein technisches Gerät in Panne fällt, versucht man es zu reparieren, und falls dies nicht geht, wird es weggeworfen. Manchmal wird es sogar ohne einen Reparaturversuch ausrangiert. Nehmen wir zum Beispeil eine Senso Kaffeemaschine: wenn sie nicht mehr funktioniert, kauft man sofort eine neue. Sowas repariert man nicht. In einer solchen Wegwerfgesellschaft besteht die Gefahr, den Menschen als eine Technologie, als ein mechanisches Gerät zu betrachten: man repariert solange wie möglich, und dann, wenn es nicht mehr geht, werfen wir es weg, legen wir es beiseite. So werden auch ältere Menschen herzlos von der Gesellschaft betrachtet: wenn man nicht mehr gebraucht wird, gerät man ins Abseits. Man zählt nicht mehr! Der nächste Schritt kann dann schnell der Wunsch nach Euthanasie sein: man fühlt sich nicht mehr nützlich, ist technisch nicht mehr rentabel, also dann besser tot sein. Für den christlichen Glauben jedoch ist jedes Lebewesen, und vor allem jeder Mensch mehr als eine Maschine. Er ist ein Geheimnis des Lebens. Er ist das Bild von etwas jenseits unserer Vorstellungskraft ; er ist Abbild Gottes. Dies kann nicht bewiesen werden; es ist ein Glaubensbekenntnis. Der Mensch ist mehr als das, was man sieht, mehr als das, was man technisch analysieren kann. In diesem Zusammenhang prangert der Papst die ausschliesslich auf Technologie basierende Gesellschaft an, denn letztere vergisst Gott und das Geheimnis des Lebens.


Ein zweiter Grund der ökologischen Störungen, sagte der Papst, ist die Zunahme des Individualismus oder des Anthropozentrismus, der nicht beherrscht wird; er besteht aus einer Wahrnehmung des Menschen, die zunächst jeden an sein persönliches Interesse denken lässt. Dabei wird der Einzelne so hervorgehoben, dass dies die Gemeinschaft minimiert. Dies ist der Kult der grenzenlosen Macht des Menschen, « bei dem alles irrelevant wird, wenn es nicht den unmittelbaren eigenen Interessen dient. Darin liegt eine Logik, die uns verstehen lässt, wie sich verschiedene Haltungen gegenseitig bekräftigen, die zugleich die Schädigung der Umwelt und die der Gesellschaft verursachen » (LS 122). Der Mensch strebt also nach Macht und persönlichem Interesse, so sehr, dass er andere erdrückt.


 


3.      Wie auf diese Probleme antworten? In einem Sendungsauftrag stehen!


 


Wie dagegen kämpfen? Dies ist der zweite Punkt meiner Konferenz.
Meine grundlegende Antwort ist, daß der Glaube uns einen breitgefächerten Aktionsplan gegen die Zerstörung des Weltalls liefert.


Entgegen der Technologie, die den Menschen als Roboter sieht, glauben wir, daß der Mensch eine spirituelle Dimension hat; er ist Abbild Gottes, das verehrt, bewundert und respektiert werden muss. Diese  spirituelle Dimension ist es, die den Menschen drängt, in der Welt zu handeln, nicht gleichgültig zu sein.


Im Gegensatz zum Individualismus und dem Anthropozentrismus glauben wir, daß wir gemeinsam auf der Erde leben müssen, und dass der Christ Entwürfe für ein soziales Miteinander in Gemeinschaft gestalten kann.


Um diesen Glauben und diese Gemeinschaft zu leben, stellt Papst Franziskus einen neuen Ansatzpunkt vor: eine  Kirche die nach draussen geht, die aufbricht, weil sie eine Sendung hat. Dies ist das Thema seines Apostolischen Schreibens Evangelii Gaudium (EG). Ein konkretes Beispiel hierfür war sein Besuch der Insel Lesbos am vergangenen Samstag, den 16. April 2016, im Beisein des ökumenischen Patriarchen Bartholomäus von Konstantinopel und dem Erzbischof Hyronymus von Athen. Er besuchte dort die Flüchtlingslager und Flüchtlinge. Dies ist ein mutiger Schritt von hohem symbolischen Wert, der die Verantwortlichen der Welt zum Nachdenken bringt. Der Papst ist nicht mit der Vorgehensweise, Flüchtlinge an den Grenzen aufzuhalten, einverstanden.


« Das Gute neigt immer dazu, sich mitzuteilen » (EG 9), schreibt er. Er fügt hinzu: «Hier entdecken wir ein weiteres Grundgesetz der Wirklichkeit: Das Leben wird reifer und reicher, je mehr man es hingibt, um anderen Leben zu geben. Darin besteht letztendlich die Mission.  » (EG 10). « Die Missionstätigkeit stellt auch heute noch die größte Herausforderung für die Kirche dar » (EG 15); « wir alle sind zu diesem neuen missionarischen „Aufbruch“ berufen » (EG 20).


Das ist es, was Jesus uns vorschlägt. Er sendet seine ersten Jünger, seine 72 Jünger mit einem Auftrag aus. Er behält sie nicht die ganze Zeit in seiner Nähe. „ Die Freude aus dem Evangelium, die das Leben der Gemeinschaft der Jünger erfüllt, ist eine missionarische Freude. Die zweiundsiebzig Jünger Jesu, die voll Freude von ihrer Sendung zurückkehren, erfahren sie (vgl. Lk 10,17). Jesus erlebt sie, als er im Heiligen Geist vor Freude jubelt und den Vater preist, weil seine Offenbarung die Armen und die Kleinsten erreicht (vgl. Lk 10,21). (EG 21).


Ein anderes Beispiel: als Jesus genug in einer Stadt gepredigt hat, sagt er: « Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen! » (Mk 1,38) „Die Freude hat immer die Dynamik des Aufbruchs und der Gabe, des Herausgehens aus sich selbst, des Unterwegsseins und des immer neuen und immer weiteren Aussäens.“ (EG 21).


Somit schlussfolgert der Papst: « Die Freude aus dem Evangelium ist für das ganze Volk, sie darf niemanden ausschließen. So verkündet es der Engel den Hirten von Bethlehem: » Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll « (Lk 2,10). » (EG 23). Das ist das Evangelium, das Sie Weihnachten gehört haben.


Der Papst fügt hinzu: « Die Kirche „im Aufbruch“ ist die Gemeinschaft der missionarischen Jünger, die die Initiative ergreifen, die sich einbringen, die begleiten, die Frucht bringen und feiern. » (EG 24). Dies stellt eine Veränderung dar, so der Papst: « Ich träume von einer missionarischen Entscheidung, die fähig ist, alles zu verwandeln, damit die Gewohnheiten, die Stile, die Zeitpläne, der Sprachgebrauch und jede kirchliche Struktur ein Kanal werden, der mehr der Evangelisierung der heutigen Welt als der Selbstbewahrung dient. » (EG 27). Die Pfarre muss « wirklich in Kontakt mit den Familien und dem Leben des Volkes stehen » (EG 28). Was den Bischof betrifft, so muss er manchmal vor, manchmal inmitten und manchmal hinter seiner Herde gehen, « weil die Herde selbst ihren Spürsinn besitzt, um neue Wege zu finden. » (EG 31) ! Man muss das « pastorale Kriterium des „Es wurde immer so gemacht“ aufgeben. Ich lade alle ein, wagemutig und kreativ zu sein in dieser Aufgabe, die Ziele, die Strukturen, den Stil und die Evangelisierungs- Methoden der eigenen Gemeinden zu überdenken. » (EG 33). So schreibt es der Papst.


 


4.      Was bremst unseren Auftrag aus?


 


Schwestern und Brüder, haben wir einen genügend starken Glauben und ein genügend gefestigtes Gemeinschaftsleben um die Welt zu verändern? Manchmal sind wir in der Kirche enttäuscht, da weniger Menschen als früher dabei sind. Es sind weniger Priester, sie werden älter und manche sind müde. Unsere Laien haben schon viele berufliche und familiäre Verpflichtungen. Uns fehlt es an verfügbaren Personen. Jedoch ist Papst Franziskus streng mit denen, die sich entmutigen lassen! In Evangelii gaudium schreibt er: « Es entwickelt sich die Grabespsychologie, die die Christen allmählich in Mumien für das Museum verwandelt. » (EG 83). Und er fügt eindringlich hinzu: « Eine der ernsthaftesten Versuchungen, die den Eifer und den Wagemut ersticken, ist das Gefühl der Niederlage, das uns in unzufriedene und ernüchterte Pessimisten mit düsterem Gesicht verwandelt. » (EG 85). Manchmal beschwert man sich, dass man zu viel arbeitet und müde ist. Der Papst antwortet: « Das Problem ist nicht immer das Übermaß an Aktivität, sondern es sind vor allem die schlecht gelebten Aktivitäten, ohne die entsprechenden Beweggründe, ohne eine Spiritualität, die die Tätigkeit prägt und wünschenswert macht. » (EG 82). Dies ist eine Feststellung, die der Meditation eines jeden pastoralen Mitarbeiters bedarf!


 


5.      Der Inhalt unserer Sendung


 


Ein erstes Ziel des Sendungsauftrages ist es, den Glauben auf einfache Weise zu vermitteln. « Eine Seelsorge unter missionarischem Gesichtspunkt steht nicht unter dem Zwang der zusammenhanglosen Vermittlung einer Vielzahl von Lehren, die man durch unnachgiebige Beharrlichkeit aufzudrängen sucht. Wenn man ein pastorales Ziel und einen missionarischen Stil übernimmt, der wirklich alle ohne Ausnahmen und Ausschließung erreichen soll, konzentriert sich die Verkündigung auf das Wesentliche, auf das, was schöner, größer, anziehender und zugleich notwendiger ist » (EG 35), so der Papst. Aber nicht alles kommt von uns; wir empfangen die Gnade Gottes: « Das Hauptelement des neuen Gesetzes ist die Gnade des Heiligen Geistes, die deutlich wird durch den Glauben, der durch die Liebe handelt. » (EG 37). Diese Gnade wird durch die Sakramente übermittelt. Aber manchmal entmutigen wir Menschen durch eine mangelnde Willkommenskultur. Der Papst sagt uns: « Häufig verhalten wir uns wie Kontrolleure der Gnade und nicht wie ihre Förderer. Doch die Kirche ist keine Zollstation, sie ist das Vaterhaus, wo Platz ist für jeden mit seinem mühevollen Leben. » (EG 47). So fand dann auch am Abend des 22. März, dem Tag der Attentate von Brüssel, in der St. Egidio- Gemeinschaft von Lüttich ein Gebet im Gedenken an die Opfer und für den Frieden in unserer Welt statt. Eine Abordnung muslimischer Führer nahm an diesem Gebet teil. Diese Geste gab dem Gebet einen besonderen Wert, und ich war zutiefst bewegt, dass sich diese Menschen spontan dem Gebet anschlossen, denn wir hatten keine Zeit persönliche Einladungen zu verschicken.


Eine zweite Zielsetzung ist es, Freundschaft in unseren Pfarren und Gemeinschaften zu leben, und diese auch um uns herum auszustrahlen. Eine « paroichia », im Griechischen bedeutet: eine Kolonie Fremder in einer großen Stadt. Es handelt sich also um eine Minderheit, die ein intensives Gemeinschaftsleben führt und eine Botschaft für die anderen hat. Oft denken wir, dass die Pfarre ein Gebiet ist, das flächendeckend  all seine Bewohner umfasst. Aber in der Tat ist die Pfarre ursprünglich eine Minderheit von Menschen in diesem Gebiet, also eine kleine Gruppe. Der Papst beschreibt das Profil der Pfarre als « eine Gemeinschaft von Gemeinschaften, ein Heiligtum, wo die Durstigen zum Trinken kommen, um ihren Weg fortzusetzen, und ein Zentrum ständiger missionarischer Aussendung. » (EG 28). Also umfasst die Pfarre mehrere kleine Gemeinschaften: sie bietet einen friedvollen Hafen, einen Ort der Freude, einen Ort, der Durstigen zu trinken gibt; und schließlich entsendet sie uns mit einem Auftrag. Das Dekanat Eifel und die gesamte DG hat eine große Kapazität von Vereinigungen und Verbänden: dies ist ein großer Vorteil. Es gibt Gegenden im Bistum, wo dies nicht der Fall ist: jeder bleibt bei seines Gleichen und es gibt nur wenige Vereine.


 In seinem apostolischen Schreiben Amoris laetitia (« Die Freude der Liebe ») über die Familie, das am 19. März veröffentlicht wurde, betont Papst Franziskus die Wichtigkeit des rechten Umgangs mit unregelmäßigen Situationen, die er « komplexe Situationen » nennt. Er erklärt, dass es äußerst grundlegend ist mit einem Priester oder verantwortlichen Laien zu sprechen. Nach diesem Gespräch kann ein jeder sein Gewissen erleuchten und sich in der Kirche engagieren, selbst wenn er nicht ganz im Einklang mit dem Ideal der Familie steht.


Die Frage steht im Raum: wie in unseren Pfarren attraktiver und freundschaftlicher sein, und dies ebenso im Bereich der Gottesdienste wie im gemeinschaftlichen Leben?


Als drittes geht es um das Wohl der Gesellschaft. Dies beinhaltet vorrangig die soziale Eingliederung der Armen: « Im Herzen Gottes gibt es einen so bevorzugten Platz für die Armen, da er selbst » arm wurde « (2 Kor 8,9). Der ganze Weg unserer Erlösung ist von den Armen geprägt... » (EG 197) sagt der Papst. « Für die Kirche ist die Option für die Armen in erster Linie eine theologische Kategorie und erst an zweiter Stelle eine kulturelle, soziologische, politische oder philosophische Frage. » (EG 198). « Jeder Christ und jede Gemeinschaft ist berufen, Werkzeug Gottes für die Befreiung und die Förderung der Armen zu sein, so dass sie sich vollkommen in die Gesellschaft einfügen können » (EG 187). Dieser Einsatz für die Armen funktioniert nur über eine gerechtere Wirtschaft: « Wenn wir wirklich eine gesunde Weltwirtschaft erreichen wollen, bedarf es in dieser geschichtlichen Phase einer effizienteren Art der Interaktion, die bei voller Berücksichtigung der Souveränität der Nationen den wirtschaftlichen Wohlstand aller und nicht nur einiger Länder sichert » (EG 206 ; siehe auch EG 239). Der Heilige Vater ruft also hier zu einer weltweiten Zusammenarbeit auf, um das Problem der Armut zu beseitigen.


Der wirtschaftliche Aufschwung führt auch zum Dienst an den Frieden. « Letzendlich hat ein Friede, der nicht Frucht der Entwicklung der gesamten Gesellschaft ist, nur wenig Zukunft. Immer werden neue Konflikte und verschiedene Formen der Gewalt gesät werden » (EG 219). Und der Einsatz für den Frieden führt somit auch zum Einsatz für die Ökologie und den Erhalt der Schöpfung, des Klimas und der Menschheit. Friede bedarf auch des Dialogs, insbesondere des Dialogs mit dem Islam. Hierzu sagt der Papst: « Wir Christen müssten die islamischen Einwanderer, die in unsere Länder kommen, mit Zuneigung und Achtung aufnehmen, so wie wir hoffen und bitten, in den Ländern islamischer Tradition aufgenommen und geachtet zu werden. » (EG 253).


 


6. Unser persönliches Engagement


 


Ich lade Sie alle ein über Ihr Engagement als Christen aufgrund dieses Sendungsauftrags nachzudenken. Wenn man einen Auftrag erhält, ist man stolz, man nimmt Verantwortung.


 


Wenn man einen Auftrag erhält, entdeckt man in sich neues Potential, neue Qualitäten. Und man ist stolz auf seinen Auftrag, redet darüber in seiner Umgebung und überzeugt andere davon. Man macht sich nützlich für die anderen und lässt die Freundschaft wachsen. Ich lade Sie ein, Ihr Leben wie einen Auftrag zu leben, nicht wie eine Pflicht oder eine Notwendigkeit, sondern wie eine Berufung. Jeder muss entdecken, welches seine Berufung ist; jeder einzelne kann einen ganz eigenen Auftrag während seines Lebens gestalten.


 


Unsere Kirche braucht es gesandt zu sein. Sie muss noch mehr Zeugnis in unserer Gesellschaft ablegen. Sie muss Menschen erreichen, die weit weg von ihr sind. Eine solche Mission übersteigt nicht unsere Fähigkeiten. Es handelt sich nicht um eine « mission impossible » (Englisch) oder einen unrealisierbaren Auftrag, denn man kann einen Sendungsauftrag bestimmen; man kann ihn gezielt umschreiben, man kann ihn vorbereiten. Man kann sich für diesen Auftrag ausbilden lassen, man kann gemeinsam am Auftrag arbeiten; man kann ihn auswerten, und man kann einen Auftrag bekanntmachen und darüber reden.


 


Ich lade Sie ein darüber nachzudenken und zu überlegen, was wir machen müssen, damit sich unsere Kirche wieder mehr als ‚gesendet‘ versteht. Stellen Sie sich die Frage, ob die Einladung von Papst Franziskus Sie anspricht. Jeder muss dann sehen, welchen Platz sie/er in diesem Sendungsauftrag findet.


 


Aus diesem Grund hat uns der Papst in diesem Jahr ein hervorragendes Werkzeug geschenkt: das Jubeljahr der Barmherzigkeit. Er lädt uns ein, den barmherzigen Gott zu entdecken und selber Akteure der Barmherzigkeit zu sein. Deshalb sind wir vom Papst eingeladen, eine Heilige Pforte zu durchschreiten. Zum Beispiel für das Dekanat Eifel in der Pfarrkirche von Sankt-Vith.


 


Seien Sie also Pilger des Jubeljahres der Barmherzigkeit. Sie haben ein Jahr Zeit, Schritte zu unternehmen. Verschiedene spirituelle Treffen werden ihnen angeboten. Warten sie nicht bis zum letzten Augenblick, um daran teilzunehmen!


 


Gutes Gelingen Ihnen allen in Ihrem Sendungsauftrag!


 


+ Mgre Jean-Pierre Delville,


Ihr  Bischof



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