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Tous les éditos > Brief unseres Bischofs zum Heiligen Jahr der Barmherzigkeit (08/12/2015)




 


Liebe Schwestern und Brüder


 


 


Ab dem 8. Dezember 2015 lädt uns Papst Franziskus ein, ein Heiliges Jahr der Barmherzigkeit zu feiern. Ein Jubeljahr, gemäß der Bibel, wird alle 50 Jahre begangen. Jedoch hat Papst Franziskus sich entschieden, nicht bis 2050 damit zu warten! Und dies deshalb, weil er mit uns eine Intuition teilen möchte, die ihm am Herzen liegt, nämlich die Barmherzigkeit!


Was bedeutet Barmherzigkeit? Wenn man um "Gnade" fleht, bittet man in einer verzweifelten Lage um Erbarmen. Man könnte nun schlussfolgern, dass das Jahr der Barmherzigkeit sich einzig und allein auf hoffnungslose Fälle beschränkt... Ist es das, was der Papst bezweckt?


Nein, sicherlich nicht! Was charakterisiert also die Barmherzigkeit im Vergleich zur Liebe im Allgemeinen? Barmherzigkeit betrifft immer eine zerbrechliche Person; es handelt sich um eine Geste der Liebe gegenüber einem Schwächeren. Der Begriff « Barmherzigkeit » deutet auf ein Herz hin, das sensibel für Not und Elend ist. In der Bibel betrifft Barmherzigkeit drei Zielgruppen: den leidenden Menschen; den Menschen der Freundschaft sucht; und den fehlerhaften (sündigen) Menschen. Von diesen drei Fällen ausgehend könnte Barmherzigkeit durch Mitgefühl, wahre Liebe in Treue und Gnade oder Mitleid übersetzt werden.


Dieser dreifache Erklärungsansatz ist ergänzend: der erste betont das unmittelbare Gefühl, das konkret und physisch gelebt wird; der zweite betont die historische Auswirkung und die Beziehung, die sich im Laufe der Zeit und in Treue aufbaut; der dritte betont die Liebe, die gnädig auf gesetzwidrige oder schwierige Situationen schaut. Daher sollte «Barmherzigkeit» als ein unmittelbares Gefühl, eine fortwährende Liebe und eine wohlwollende Haltung gegenüber Unregelmäßigkeiten und Scheitern verstanden werden.


Um an diesem Jahr der Barmherzigkeit teilzunehmen, lädt der Papst uns ein, eine Heilige Pforte zu durchschreiten. In der Tat sind verschiedene Kirchen in jeder Diözese als Pilgerort für das Jubeljahr ausgewählt, und in jeder finden wir eine Heilige Pforte. In unserer Diözese sind es insgesamt neun Kirchen: die Kathedrale und St. Denis in Lüttich, die Kathedrale in Malmedy, die Marienheiligtümer in Banneux und Moresnet, die Grotte Petit-Lourdes in Bassenge, die Kirche Unsere Frau der Barmherzigkeit (oder der Rekollekten) in Verviers, die Stiftskirche von Huy und die Dekanatskirche St. Vith.


Eine Tür ist da, um durch sie ein- und aus zu treten. Treten wir also zunächst ein und begegnen wir Gott, der an diesem Ort auf uns wartet! Entdecken wir seine Barmherzigkeit für uns. « Er fühlt sich verantwortlich, d.h. Er will unser Wohl, und Er will uns glücklich sehen, voller Freude und Gelassenheit », sagt Papst Franziskus (Misericordia Vultus 9). Es ist in der Tat eine Quelle der Freude, sich von jemanden geliebt zu wissen. Es ist eine Quelle der Freude für uns, von Gott selbst geliebt zu werden, in unserem Leid, in unserem Bedürfnis nach Zuneigung und sogar mit unseren Fehlern. Halten wir Ihm unsere Schwachheit hin, bitten wir Ihn um Vergebung, nehmen wir seine Liebe im Empfang des Leibes Jesu, seines Sohnes, in uns auf, damit er uns mit Ihm, den anderen und uns selbst versöhnt. Indem wir so den Ablass des Jubeljahres, die Vergebung und die Befreiung von unseren Fehlern und deren Folgen erlangen, werden wir ein geläutertes Gewissen haben, das uns den Weg zum ewigen Leben öffnet.


Treten wir nun aus der Tür heraus, und durchschreiten wir die Welt. « Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist » (Lk 6,36), sagt uns Jesus und erinnert uns Papst Franziskus. Für Ihn bedeutet Barmherzigkeit Liebe über die Grenzen von Konventionen und Gewohnheiten hinaus. Dies bedeutet, jemanden zu lieben, selbst wenn er in einer rechtswidrigen, traurigen oder schwachen Situation, oder verpönt ist. Dies erfordert Mut. Diese Liebe lädt zur Vergebung und zur Versöhnung ein. Deshalb müssen im Jubeljahr, gemäß der Bibel, die Schulden erlassen und die Menschen von der Sklaverei befreit werden. Dies ist immer noch ein aktuelles Thema. Es gibt Menschen, die Opfer ihrer Schulden oder ihrer Unzulänglichkeiten sind. Abertausende Menschen sind weltweit versklavt, das heißt Opfer: Opfer von Ungerechtigkeit, Opfer von Kriegen, Opfer des Klimawandels, Opfer von Vergewaltigung, Opfer von Rassismus, Opfer von Drogen, Opfer vom Reichtum, Opfer, weil süchtig nach dem kurzfristigen Vergnügen, Opfer von Unwissen, Opfer von mangelnder Spiritualität. Der Herr lädt uns ein tatkräftig zu lieben, um Sklaven zu befreien und unseren Schuldnern die Schulden zu erlassen. Dies sind Werke der Barmherzigkeit, konkrete Engagements, die wir nehmen sollen, um die Welt besser zu machen und die Tür für das Wirken Gottes  in unserer Welt zu öffnen. Wenn wir im Sinne der Barmherzigkeit handeln, öffnen wir Gott die Heilige Pforte der Welt, die Heilige Tür aller Menschenherzen. Unterstützen wir Papst Franziskus in der Ausübung der Barmherzigkeit, die er allen vorschlägt.


Ich lade Sie nun ein, an der Eröffnung des Jubeljahres in unserer Diözese teilzunehmen. Diese findet am 13. Dezember durch das Öffnen der Heiligen Pforte der Kathedrale in Lüttich statt, und am 20. Dezember in den anderen Jubelkirchen der Diözese. Ein Pilgerbuch ist in diesen Pilgerstätten und in der Buchhandlung des Bistums, Siloë erhältlich. Seien Sie also Pilger des Jubeljahres der Barmherzigkeit. Sie haben ein Jahr Zeit, Schritte zu unternehmen. Verschiedene spirituelle Treffen werden ihnen angeboten. Warten sie nicht bis zum letzten Augenblick, um daran teilzunehmen!


Lüttich, den 8. Dezember 2015.


Ihr Bischof


 


+ Jean-Pierre Delville



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