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Tous les éditos > Vom heiligen Ägidius zur Ökologie (01/09/2015)


Editorial Eglise de Liège


September-Oktober 2015


 


Vom heiligen Ägidius zur Ökologie


 


Liebe Brüder und Schwestern,


 


die Ferien sind vorbei! Ein neues Pastoraljahr beginnt!


Am 1. September feiern wir auch das Fest des heiligen Ägidius. Die Legende erzählt, dass der heilige Ägidius, der als Einsiedler in einer im Dickicht versteckten Grotte lebte, eine Hirschkuh gezähmt hatte und sich von ihrer Milch ernährte. Eines Tages entdeckten Jäger die Hirschkuh und sahen, wie sie im Dickicht verschwand. Als Ägidius den Lärm hörte, kam er aus der Grotte und nahm die Hirschkuh auf, um sie zu schützen. Da schossen die Jäger auf gut Glück einen Pfeil ab. Dieser traf den Einsiedler am Arm und verletzte ihn. Als die Jäger sich näherten, erkannten sie ihren Fehler und entschuldigten sich vielmals. Ägidius bat Gott, ihnen zu vergeben. Seitdem wird er oft mit einer Hirschkuh dargestellt. Man kann ihn als einen Vorläufer der Ökologie betrachten!


 


In diesem Sinne schlage ich euch vor, die Enzyklika Laudato si’ von Papst Franziskus zu lesen. Der Plan der Enzyklika kann unter dem Gesichtspunkt Sehen-Urteilen-Handeln gelesen werden. Kapitel 1 (Was unserem Haus widerfährt) ist dem „Sehen“ gewidmet: Es handelt sich um eine Analyse der ökologischen Lage der Welt. Das „Urteilen“ streckt sich auf drei Kapitel aus: In Kapitel 2 (Das Evangelium von der Schöpfung) wird die jüdisch-christliche Tradition zum Thema Ökologie vorgestellt; Kapitel 3 (Die menschliche Wurzel der ökologischen Krise) versucht, die Ursachen des ökologischen Problems zu erkennen und zeigt hier auf die Technologie; in Kapitel 4 (Eine ganzheitliche Ökologie) wird die These des Papstes vorgestellt: die Notwendigkeit einer globalen Ökologie, die alle Aspekte des menschlichen Lebens abdeckt, denn – so schreibt er oft – „alles ist miteinander verbunden“. Das „Handeln“ ist Gegenstand von Kapitel 5 (Einige Leitlinien für orientiertes Handeln), wo der Akzent auf eine politische Aktion auf Weltebene gelegt wird, sowie von Kapitel 6 (Ökologische Erziehung und Spiritualität), wo persönliche Leitlinien zum Handeln vorgeschlagen werden sowie eine Spiritualität, die diesen Einsatz motiviert.


 


Die große Intuition, die im gesamten Dokument wiedergefunden wird, ist, dass die ökologische Krise an ihren Auswirkungen auf das menschliche Leben und insbesondere auf das Leben der Ärmsten gemessen werden muss. Diese sind die ersten Opfer der aktuellen Lage: Sie leiden an Wassermangel, unter der schlechten Abfallverwaltung, dem Klimawandel, der verschlechterten Wirtschaftslagen, der Zerstörung der natürlichen Ressourcen zugunsten von Monokulturen (Kapitel 1). Die Welt ist durch das menschliche Handeln von Zerstörung bedroht: Dies ist ein strenges Urteil, das die zukünftigen Historiker womöglich über die Menschen den 21. Jahrhunderts fällen werden. Die Situationen von Ungerechtigkeit und wilder Ausbeutung der natürlichen Ressourcen bedürfen eines Eingreifens der Politik auf Weltebene. Dies ist eine zentrale Feststellung (Kapitel 5). Papst Franziskus ruft mehr denn je eine politische Weltautorität an, um die Zukunftsfragen der Menschheit zu lösen (§ 175). Dies steht einem sofortigen Engagement eines jeden jedoch nicht im Wege: Deswegen ruft der Papst jeden Christen zu einer „ökologischen Umkehr“ auf (Kapitel 6). Es handelt sich um ein persönliches Engagement, das alle eingehen können und das mit Gesten des täglichen Lebens zu tun hat.


 


In diesem Sinne lade ich Sie zu einer guten Wiederaufnahme Ihrer Aktivitäten auf. Alle, die die Möglichkeit dazu haben, lade ich am 17. September um 18:00 Uhr in der Kathedrale zum Fest des heiligen Lambertus ein. In diesem Jahr wird dies ein besonderer Augenblick sein, da gleichzeitig die feierliche Eröffnung der neuen Räumlichkeiten des Seminars stattfindet, wo die diözesanen Dienste untergebracht sind, insbesondere das Vikariat Evangelium & Leben sowie das Vikariat für Wirtschafts- und Rechtsfragen.


 


Ihnen allen einen guten neuen Start!


 


 


Jean-Pierre Delville, Ihr Bischof



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