Notre évêque nous parle

Tous les éditos > Das Wort des Bischofs : Die Pforte des Neuen Jahres (Ed. 01-02.2016) (24/12/2015)




Liebe Brüder und Schwestern,


 


 



Frohes und gesegnetes Heiliges Jahr 2016 Ihnen allen !


Wir beginnen das neue Jahr mit all unseren Hoffnungen und Ängsten!


Wir treten über die Schwelle des neuen Jahres, so wie wir im Jubeljahr der Barmherzigkeit die heilige Pforte einer Kirche durchschreiten werden.


Wir vertrauen unser Leben dem Herrn an, damit er es mit seiner Gnade belebt.


Wir verweilen im Geist der Heiligen Weihnacht, die uns Gott in einem Kind entdecken lässt; Gott in der der Hoffnung auf Leben, in Schwachheit und Armut.


Schließen wir unsere Angehörigen und Freunde auch in unser Gebet ein, wenn wir ihnen unsere Neujahrswünsche ausrichten.



 


Dieses Jahr beginnt nach den Attentaten vom 13. November in Paris, die mehr als 130 Todesopfer an sieben verschiedenen Orten gefordert haben, und vielen anderen weltweiten Anschlägen, um den Rechtsstaat und dessen Gesellschaft anzugreifen. Dies wurde unter dem Deckmantel religiös motivierter Angriffe gegen das Kreuz, gegen die Kreuzfahrer, und im Namen des Korans durchgeführt. Aber hinter dieser religiösen Rhetorik verstecken sich pervertierte religiöse Ansichten. Jede Religion predigt Liebe, einschließlich des Islams; aber kriegerische Interpretationen können sich das Fundament der Religionen aneignen und sie fanatisch und aggressiv machen. Es handelt sich in der Tat um eine pervertierte Auslegung der Religion, hinter der sich Banditentum verbirgt. Wir wollen für die Opfer dieser Angriffe und für die Bekehrung derer beten, die sie begangen oder vorbereitet haben.


 


Ein Gegenmittel für diese Gewalt ist das Heilige Jahr der Barmherzigkeit, zu dem uns Papst Franziskus einlädt. Zu allererst sollen wir eine Heilige Pforte durchschreiten. Er betont in seiner Eröffnungsbulle zum Jubeljahr, dass für jede Jubelkirche eine Heilige Pforte eingerichtet wird. Er lädt uns dazu ein, diese Pforte zu durchschreiten, um Gott zu begegnen, um « die Liebe Gottes zu erfahren, die Trost spendet, verzeiht und Hoffnung gibt » (Misericordiae vultus, 3).


 


Nach dem Durchschreiten der Heiligen Pforte schlage ich Ihnen vor, das schönste Kirchenportal in Lüttich, in der Vorhalle der Kirche Sankt-Jakob, zu besichtigen, die im Jahr 1560 fertiggestellt und vor kurzem restauriert wurde. Sie können dort in der Mitte des Portals eine Skulptur des Traums von Jakob in Bet-El sehen, bei dem er Engel eine Treppe, die bis in den Himmel ragt, hinauf- und hinabsteigen sieht. Er hörte, wie Gott zu ihm sprach: « Siehe, ich bin mit dir, ich behüte dich, wohin du auch gehst,… » (Genesis 28,15). Nachdem Jakob erwachte, sagte er: « Dieser Ort ist nichts anderes als das Haus Gottes und das Tor des Himmels. » (Genesis 28,17). Dieser Text ist über der Türe geschrieben.


 


Wir können diese Erfahrung Jakobs, der sich an einem beliebigen Ort in der Wüste niederließ, zu unserer eigenen machen. Wir können diese Gegenwart Gottes, der uns beisteht und mit uns ist, erfahren. Wir können das Himmelstor auf Erden finden; das heißt den Zugang zu Gott im Laufe unseres Lebens. Wir können, wie Jakob, diesen Lebensabschnitt mit einem Stein kennzeichnen. Wir haben die Möglichkeit, wie die Personen, die den Heiligen Jakob auf dem Portal umkreisen, zu Baumeistern des Hauses Gottes zu werden; und dies an jedem Ort, wohin auch immer unsere Füße uns tragen, sowie zuvor David, Salomon, Moses und Aaron. Und wir werden, wie zuvor Salomon, Gottes Stimme hören, die uns sagen wird: « Meine Augen und meine Ohren werden offen sein für das Gebet eines jeden, der an diesem Orte betet » (2 Chroniken 7,15).


 


Eine Tür ist gemacht um einzutreten und rauszugehen. Treten wir ein und begegnen wir Gott, der uns irgendwo erwartet. Wie bei Jakob, geht es darum zu empfangen. Es geht darum, sich von Gott lieben zu lassen. „Die Barmherzigkeit Gottes entspringt seiner Verantwortung uns gegenüber" (Misericordiae vultus, 9), schreibt der Papst. In der Tat sind wir für jemanden verantwortlich, dem wir Barmherzigkeit gewähren. Wenn wir uns jemandem gegenüber gleichgültig verhalten, werden wir keine Barmherzigkeit empfinden. Also zeugt Barmherzigkeit von Verantwortung, die wir übernehmen. Gott lebt dies mit jedem Menschen. "Er fühlt sich verantwortlich, das heißt, er will unser Wohl, und er will uns glücklich sehen, voller Freude und Gelassenheit“ (Misericordiae vultus, 9). Es ist in der Tat eine Quelle der Freude, wenn man weiß, dass man geliebt wird. Es ist eine Quelle der Freude, sich von Gott geliebt zu wissen. Lasst uns unser Bet-el im Leben finden, die Himmelspforte und Gottes Gegenwart.


 


Treten wir nun aus der Tür heraus und durchschreiten wir die Welt. Nachdem wir erhalten haben, gilt es nun zu geben: "Wir sind also gerufen, Barmherzigkeit zu üben, weil uns selbst bereits Barmherzigkeit erwiesen wurde" (Misericordiae vultus, 9). Für Papst Franziskus bedeutet Barmherzigkeit Liebe über die Grenzen von Konventionen und Gewohnheiten hinaus. Dies bedeutet, jemanden zu lieben, selbst wenn er in einer rechtswidrigen Situation lebt oder verpönt ist. Dies erfordert Mut, aber es bedeutet auch, dass jeder seiner selbst wegen von Gott geliebt wird. Diese Liebe lädt uns zu Vergebung und Versöhnung ein. Deshalb müssen im Jubeljahr, gemäß der Bibel, die Schulden erlassen und Sklaven befreit werden. Dies ist ein immer noch aktuelles Thema. Wie viele Menschen haben Schulden oder sind in finanziellen Schwierigkeiten! Wie viele Menschen sind auch heute noch Sklaven! Der Herr lädt uns ein zu lieben, um Sklaven zu befreien und unseren Schuldnern die Schulden zu erlassen. Dies sind Werke der Barmherzigkeit, konkrete Verpflichtungen.


 


So lade ich nun alle ein, sich zu Beginn dieses Jubeljahres vom barmherzigen Gott lieben zu lassen, das heißt, laut den drei hebräischen Begriffen, die mit dem Wort Barmherzigkeit übersetzt werden, dem Gott der Zärtlichkeit, der Treue und der Gnade. Und ich lade alle ein, sich auf eine neue Weise für die Werke der Barmherzigkeit einzusetzen, ohne sich auf das Übliche zu beschränken. So wird uns Versöhnung mit Gott und unseren Brüdern und Schwestern ermöglicht, und uns werden der Ablass des Jubiläums und die Gnade Gottes zuteil.


 


+ Jean-Pierre DELVILLE, Ihr Bischof



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