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Tous les éditos > Wort des Bischofs: Fastenzeit 2017 oder die Hoffnung auf eine Gemeinschaft der Völker (EDL März-April 2017) (28/02/2017)


 


Fastenzeit 2017 oder die Hoffnung auf eine Gemeinschaft der Völker


 


Liebe Brüder und Schwestern,


 


« Tanzen wir auf einem Vulkan der kurz vor dem Ausbruch steht? » Mit dieser provokanten Frage beginnt der Hirtenbrief Populorum communio der belgischen Bischöfe, der zur diesjährigen Fastenzeit veröffentlicht wird. Diese Frage veranlasst uns, unseren Blick auf die Unausgewogenheit und die Ungerechtigkeiten in unserer Welt zu werfen. Um auf diese Missstände zu reagieren und anlässlich der vor 50 Jahren, am 26. März 1967, veröffentlichten Enzyklika Populorum Progressio von Papst Paul VI., haben unsere Bischöfe dieses Schreiben verfasst, das darauf abzielt die Bildung und das soziale Engagement der Kirche in unserem Land zu fördern. Damals war es um die Entwicklung der Völker auf globaler Ebene voranzutreiben. Heute, mit der Globalisierung der Gesellschaft und der geschichtlichen Entwicklung, geht es darum, eine Gemeinschaft der Völker zu erschaffen, das heißt den Frieden zwischen den Nationen durch Gerechtigkeit und Solidarität aufzubauen. Papst Franziskus, der seine erste Pastoralreise zur Insel Lampedusa machte, um die Aufnahme von Flüchtlingen und Migranten zu verbessern, verpflichtet uns resolut diesen Weg zu begehen.


Lassen Sie mich die vier Herausforderungen und die Lösungsanzätze, die unser Hirtenbrief anspricht, hervorheben. Die erste Herausforderung liegt in der Technologie und die Auswirkungen ihrer Entwicklung. Hierzu sagen die Bischöfe folgendes: « ständige Innovationen verändern unseren Lebensstil. Computer, Handys und die digitale Entwicklung revolutionieren das tägliche Leben auf allen Kontinenten und haben zu einer Globalisierung der Welt geführt [...] » (Populorum communio III, 1§1). « Soziale Gerechtigkeit ist eine kohärente Antwort auf die Herausforderungen der Wissenschaft und Technik in der heutigen Welt. » (IV, 1§3)


Die zweite Herausforderung kommt durch die Wirtschaft. « Die Wirtschaft schließt eine große Anzahl von Menschen von den Gewinnen aus und beherrscht die anderen Aktivitätssektoren im Namen einer dominierenden Logik der Rentabilität um jeden Preis (III, 2§1). » Mais « In ähnlicher Weise wird heute, dank einer auf sozialer Gerechtigkeit und evangelischer Solidarität basierenden Aktion, eine weltumfassende Regierung mit einem internationalen Sozialbewusstsein aufgebaut, um die durch die Raubwirtschaft und die verheerenden regionalen Kriege entstandenen Ungerechtigkeiten in den Griff zu bekommen. Dies würde es ermöglichen, eine große Anzahl Menschen, Opfer dieser unkontrollierten wirtschaftlichen Logik, von der wirtschaftlichen Ausgrenzung zu befreien (IV, 2§2). »


Dritte Herausforderung sind die Konflikte zwischen den Nationen und die Verbreitung der Gewalt. « Um an der Gemeinschaft der Menschen arbeiten zu können, müssen die Christen bereit sein, den Anderen kennen zu lernen und anzuerkennen, auf andere und vor allem die Armen zuzugehen, ob nah oder fern, und so verschieden sie auch sind. Die Christen müssen sich ändern, sich dem Licht des Glaubens an Jesus öffnen - zunächst auf einer persönlichen Ebene, jedoch auch in Bezug auf die menschlichen und christlichen Gemeinschaften sowie gegenüber den Strukturen […]. » (IV, 3§6). Dazu gehört insbesondere die Aufnahme der Flüchtlinge, die nach Frieden und Sicherheit suchen.


Die vierte Herausforderung ist ökologischer Art, « denn unser Lebensstil, die vielen Krisen, die Herrschaft der Weltwirtschaft und die Aufgliederung der verschiedenen Teilbereiche der menschlichen Tätigkeit bedrohen die Möglichkeiten der Erde. Es sind gerade die Schwächsten und Ärmsten unter uns, die die ersten Opfer sind. Daher die Einladung und der Aufruf, darauf zu reagieren und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen für unser « gemeinsames Haus »: die Erde. » (IV, 4§1)


 


Ich lade jeden ein, sich, im Licht des Evangeliums vom 26. März 2017 (4. Fastensonntag) über die Heilung des Blindgeborenen (Joh. 9,1-41), diesen vier Herausforderungen zu stellen. « Es zeigt einen Mann, der von allen abgelehnt wird. Jesus ist mit einer scheinbar aussichtslosen Situation konfrontiert:  ein blinder Mann, der auf verschiedene Art und Weise versucht, sein Augenlicht zu finden, aber ohne Erfolg. Dies ähnelt der Sackgasse, die wir in der heutigen Welt vorfinden, wo wir sowohl den Aufschrei der Armen als auch den der Erde hören. Dieser blinde Mann wird in vier Schritten geheilt, die auch unsere weiteren Überlegungen bestimmen und die wir in vier Worten zusammenfassen können: Blick, Geste, Gemeinschaft und Sendung. » (II)


 


Dass diese Fastenzeit uns die Chance gibt, unsere Welt mit anderen Augen zu sehen, und eine Geste der Barmherzigkeit, einen Schritt hin zur Gemeinschaft und auf dem Weg unseres Auftrags zu machen. Lassen wir uns von den Richtlinien der Fastenzeit; nämlich dem Teilen, dem Gebet und dem Fasten, führen: Teilen öffnet uns zur Solidarität gegenüber unseren Mitmenschen; das Gebet öffnet unsern Geist für die Unentgeltlichkeit des göttlichen Handelns und das Fasten lehrt uns den Respekt der Schöpfung.


 


Ihnen allen eine besinnliche Fastenzeit


und einen friedvollen Weg nach Ostern!


 


Jean-Pierre Delville, Ihr Bischof


 



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