Notre évêque nous parle

Tous les éditos > Von der Gewalt weg zu einem neuem Leben (01/03/2015)


Éditorial
Église de Liège
März-April 2015


 Von der Gewalt weg zu einem neuem Leben
Ein Weg nach Ostern, der über Verviers führte


 


Liebe Mitchristen im Bistum Lüttich,


als ich im Rahmen meines ersten Pastoralbesuches am 14. Januar die Moschee von Césiv im Vervierser Viertel Hodimont besuchte, endete zeitgleich eine Haussuchung der Staatsanwaltschaft mit einer heftigen Auseinandersetzung in der Rue de la Colline und dem Tod von zwei Dschihadisten, die Widerstand leisteten und den Tod einer Gefangennahme vorzogen. Diese Gewalt ganz in unserer näheren Umgebung hat uns die Spannungen, die unsere Welt beherrschen, vor Augen geführt und große Angst hervorgerufen. Gibt es Dschihadisten unter uns? Wird Belgien auch ein Attentat wie das in Paris gegen Charlie-Hebdo erleben? Fördern die Muslime, die hier leben, nicht diese Leute? Ich bin der Meinung, dass man diese faschistischen Terroristen auf keinen Fall mit dem Islam gleichsetzen darf. Die große Mehrheit der Muslime suchen Frieden und leiden unter denen, die sich auf den Islam berufen, um Unschuldige zu töten. Die mitunter heftigen und brutalen Reaktionen der Muslime gegen die Christen, insbesondere in Niger, zeigen, dass diese sich persönlich angegriffen fühlen in Bezug auf das, was für sie am wertvollsten ist und manchmal ihren einzigen Reichtum darstellt, die Religion.


Um solche Attentate zu vermeiden, muss eine Kultur des Friedens und des Dialogs geschaffen werden. Dies verlangt, dass wir den ersten Schritt machen und auf die Muslime zugehen. Dies erfordert an erster Stelle gegenseitigen Respekt. Gehört dies nicht zu den wesentlichen Aufgaben der Christen in der Gesellschaft, ist dies nicht die kohärenteste Art und Weise, um in Menschlichkeit eine geschwisterliche Welt zu schaffen? Wir können gegenseitig voneinander lernen. Der Dialog zwischen den Religionen bedeutet nicht, dass man das, woran man glaubt, aufgibt, und insbesondere nicht die endgültige und absolute Dimension, die Christus für uns darstellt. Jesus hat uns seinen Geist gesendet, damit wir seine Botschaft vertiefen. Sein Geist kann wehen dort, wo er will. Nicht nur in der Kirche lebt und wirkt er, sondern auch im Herzen jedes einzelnen Menschen. Die Religionen können voneinander lernen, denn der Geist Christi weht dort, wo er will. So könnten die Christen mit derselben Treue beten wie die Muslime. Diese wiederum könnten von den Christen, ausgehend von deren Tradition, lernen sich die Kunst anzueignen, die Schriften zu interpretieren. Von Anfang an wurde der christliche Glaube immer wieder mit der Interpretation und der Aktualisierung der Schriften konfrontiert: Es gibt zwei Testamente, ein Deuteronomium („Zweites Gesetz“), vier Evangelien, usw. All diese Bücher sagen nicht genau dasselbe aus. Die Kunst der Interpretation ermöglicht es, nicht in den Fundamentalismus zu verfallen. Mehrere Termine sind bereits geplant, um auf diesem Weg fortzuschreiten. Wir sind eingeladen, die Begegnung zu wagen.


Mein erster Pastoralbesuch galt dem Dekanat Verviers. Ich habe vor, bis Ende 2016 jeweils während einer Woche im Monat alle vierzehn Dekanate des Bistums zu besuchen. Bald werde ich im Herver Land sein, dann im Dekanat „Basse-Meuse“. Mein erster Besuch fand vom 13. bis 18. Januar 2015 im Dekanat Verviers statt, da es sich einerseits um die zweite Stadt des Bistums nach Lüttich handelt und andererseits diese Stadt mit großen Armutsproblemen konfrontiert ist. Ich habe die Katholiken des „Pfarrverbands Jean XXIII-Val de Vesdre“ in den Zivilgemeinden von Verviers und Limburg getroffen sowie die der Pfarrverbände „Magnificat“-Verviers-Sud, „Sacré-Coeur“-Dison und des „Pfarrverbands Emmaüs-Hoegne et Vesdre“ der Zivilgemeinde von Pepinster.


Ich konnte den Reichtum des vielfältigen Engagements der Christen und die Kreativität ihrer Vereinigungen erleben. Generalvikar Alphonse Borras begleitete mich bei diesem Besuch, sowie andere Bischofsvikare und -delegierte, wenn Bereiche, die sie betrafen, zum Tragen kamen. Ich war sehr erstaunt festzustellen, wie unterschiedlich die Lage im Stadtzentrum und den Stadtrandgebieten ist, vor allem im Wesertal selbst und auf den Talhöhen.


Ich bin den Bürgermeistern und Zivilbehörden begegnet. Ich habe die Priester, Diakone und Pfarrassistentinnen aller Pfarrverbände sowie die Krankenhausseelsorgeteams und Pastoralanimatoren bei ihrer Zusammenkunft im Maximilian-Kolbe-Zentrum getroffen. So konnte ich einen jeden in seinem Milieu und in dem Umfeld, in dem er seine Sendung ausübt, treffen und einen tieferen Einblick in dessen Engagement gewinnen. Verschiedene Anlässe ermöglichten das gemeinsame Beten, das Feiern der Eucharistie und die Spendung der Firmung. Ich hatte sogar die Gelegenheit, mit Jugendlichen an einem christlichen Popkonzert mit einem teuflischen Rhythmus, wenn ich das mal so sagen darf, teilzunehmen. So standen auch die Freude und das Feiern auf der Tagesordnung.


Während der Fastenzeit treten wir in die Fußstapfen Jesu, um von ihm zu lernen, unser Leben für andere hinzugeben. Wir folgen Jesus bis zum Fuße des Kreuzes, weil er in all unseren Leiden mit uns verbunden ist und uns den Weg des Heils und des Lebens in Fülle eröffnet.


Wir bereiten uns darauf vor, Ostern zu feiern. Ich wünsche allen einen guten Weg dorthin, zu dem Fest, das die Krönung unseres liturgischen Jahres ist. Christus, der sich durch das Scheitern - gelebt in seinem Leiden und seinem Tod - hingibt, beseelt uns auch heute noch mit seinem Geist. Er lebt, und unsere Welt braucht ihn.


 


Auf dem Konzert „Jesus’ Trip“ in Verviers hat der Sänger Luc Mathues nach dem Lied Ressuscitò eine neue Komposition vorgestellt, die  mit ähnlichem Wortlaut beginnt:


“Generation Franziskus des Ersten! Es ist Zeit aufzuwachen!“


Ostern ist ein Aufwachen!


Ja, Christus ist erwacht und er steckt uns an mit seinem Aufwachen!


Nehmen wir dieses Aufwachen in unseren Herzen auf! Möge es um uns herum leuchten!


+ Jean-Pierre Delville
Euer Bischof



Accéder à tous les éditos