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Ein pastorales  Kairos 


Hirtenbrief von Bischof Jean-Pierre Delville


 


Wer hätte sich vor einem Jahr vorstellen können, was wir heute erleben?


Die Abdankung von Papst Benedikt XVI. erfüllte die Kirche mit Angst. Im Hintergrund herrschte ein Klima geprägt von Skandalen und Machtkämpfen. Der Kampf gegen die Pädophilie war schon seit Jahren ein Problem.


Dann wurde überraschenderweise Papst Franziskus zum Papst gewählt. Er stammte aus Lateinamerika; er war nicht jung. Aber er war jung im Herzen. Er hat uns offen gemacht für die Barmherzigkeit Gottes und die Randbereiche der Welt. Dieser Zeitpunkt ist ein Kairos, ein günstiger Zeitpunkt, für die gesamte Kirche sowie für unser Bistum.


Die Kirche ist laut Vatikanum II « Sakrament des Heiles ». Sie muss also ein wirksames Zeichen des Heiles sein. Sie besteht im Hinblick auf das Heil aller. Sie besteht nicht für sich selbst, sondern hat die Aufgabe, das Heil zu vermitteln. Das Heil, auf Latin salus, bedeutet zuerst Gesundheit, also Gesundheit-Heilsein an Körper und Seele, die materielle Gesundheit und die spirituelle Gesundheit und somit das Glück und die Befreiung vom Bösen, die zum ewigen Leben und zur Gemeinschaft mit Gott führen. Die Frage, die sich uns stellt, ist somit: Wie sind wir in der heutigen Welt Sakrament des Heiles? Wie tragen wir diese Befreiung des Herrn, die allen gilt? Unsere Absicht ist, ALLE zu berühren und zu erreichen, selbst wenn wir wissen, dass wir nicht alle überzeugen können. Wir sollen nicht nur in kirchlichen Kreisen bleiben, sondern Zeugen und Vermittler sein überall. Wie können wir dies verwirklichen? Wir müssen es machen wie Jesus, der laut dem Evangelisten Matthäus „das Evangelium von dem Reich predigte und alle Krankheiten und alle Gebrechen heilte“ (Mat 9,35). Und wir müssen wie die Jünger Jesu sein, die sagten: „Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte!“ (Lk 11,1).


Ich möchte mit euch auf das, was ich bereits den Dechanten sowie im Priesterrat mitgeteilt habe, weiter eingehen, denn ihr seid die Pastöre und Pfarrer im Dienste des Evangeliums in unserer Diözese. Dazu möchte ich von den vier Konzildokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils ausgehen.


 


1.       Gaudium et spes oder die Kirche in der Welt von heute


Das Konzildokument Gaudium et spes (Freude und Hoffnung) des Zweiten Vatikanischen Konzils befasst sich mit der Kirche in der Welt von heute. Wir leben in einer von Schwierigkeiten gekennzeichneten Welt: zum einen die Krise mit all ihren Verunsicherungen und Ängsten, zum anderen die Verweltlichung (Säkularisierung), geprägt von Materialismus, Gleichgültigkeit, Glaubenskrisen und Zweifeln, die Weltproblematik um die Themen von Ungerechtigkeit, Krieg, Ökologie. Wie können wir Träger von Hoffnung, Glück, Spiritualität, Sinn für Gerechtigkeit, Freundschaft sein? Das Konzil zeigt uns einen neuen Weg auf: Anstatt dass die Kirche versucht, Ihre Ansichten der Gesellschaft aufzuzwingen, fördert sie den Dialog mit den Kulturen, Gesellschaften, anderen christlichen Konfessionen und anderen Religionen. Der Dialog mit den anderen Religionen steht auf der Tagesordnung, insbesondere mit dem Islam und dem Judaismus. Was die muslimische Religion betrifft, bedarf es einer Vertiefung, um nicht in eine Simplifizierung zu verfallen. Der Dialog betrifft auch mehr oder weniger konfliktreiche Gesellschaftsfragen: die Euthanasie, die Heirat von Homosexuellen, Ökologie, Wirtschaft, soziale Gerechtigkeit – lauter Fragen, zu denen Informationen eingeholt werden müssen und Stellung genommen werden muss.


In seiner Apostolischen Exhortation Evangelii gaudium (Die Freude des Evangeliums) geht Papst Franziskus auf zwei Aspekte dieses Engagements ein: die Integration der Armen in die Gesellschaft und der Dialog für den Frieden. Konkret ist das die allererste Priorität, die ich setzen möchte: Wie schaffen wir in unseren Pfarren und Gemeinschaften einen privilegierten Platz für die Integration der Armen und den Dialog für den Frieden? Wie reagieren wir, welche Unterstützung bieten wir? Engagement ist eine konkrete Sache, die den Glauben trägt. Engagement erleuchtet den Glauben. In Glaubensfragen erleuchten wir uns gegenseitig. Unsere Kirche umfasst zahlreiche Dienste, das Vikariat Evangelium & Leben ist ein Beispiel dafür. Hinzu kommen noch die Institutionen, die nicht von diesem Vikariat abhängen. Wie können die Pastoraleinheiten und die verschiedenen Dienste sich gegenseitig unterstützen? Wie die Pastoraleinheiten und die christlichen Institutionen? Welche Rolle spielen die Krankenhäuser, Bewegungen, Gewerkschaften, Krankenkassen? Wie können wir uns für alte und kranke Personen engagieren? Und für die Häftlinge in den Gefängnissen? Wie nehmen wir Fremde auf? Die Laien übernehmen hier eine wichtige Rolle.


Unsere Diözese war Vorreiter in diesem Bereich. Der erste Stein wurde 1886 mit dem Sozialkongress gelegt, der die Türe für die Schaffung von christlichen Gewerkschaften und die belgische Sozialgesetzgebung geöffnet hat. 1942 wurde der erste Arbeiterpriester eingestellt, Pfarrer Charles Bolland. Zum Thema Dialog ist das Wirken von Hochwürden Louis-Joseph Kerkhofs und seine Rolle in der Rettung der Juden hervorzuheben, und insbesondere das Wirken von Rabin Lepkifker, sowie die Offenheit für das Kloster von byzantinischem Ritus in Amay – das Werk von Dom Lambert Beauduin -, das anschließend nach Chevetogne verlegt wurde.


2.       Dei verbum oder die Verkündigung des Evangeliums


Das Konzildokument Dei verbum (Das Wort Gottes) des Zweiten Vatikanischen Konzils befasst sich mit der Verkündigung des Wort Gottes und der Verkündigung des Glaubens. Diese Dimension der Verkündigung des Evangeliums ist in der Tat wichtig, angefangen mit der Lektüre und dem Studium der Bibel. Bibel kommt von griechischen biblia, was die Bücher bedeutet. Es sind also mehrere Bücher aus verschiedenen Zeitaltern und mit unterschiedlichen Auffassungen. Es gibt schon vier Evangelien, die verschiedene Akzente setzen. Sich dem Text zu stellen, mit seinen Schwierigkeiten und Unstimmigkeiten, führt uns dazu, ihn zu interpretieren und uns persönlich einzubinden. Die Bibel ist ein gedrucktes Dokument und ist für alle gedacht, selbst für Nichtchristen. Im Konzil wird ein besonderer Nachdruck auf die Lektüre der Bibel gelegt, und zwar von allen. Die Bibel ist das Wort Gottes und setzt das Wort in den Vordergrund:“Am Anfang war das Wort“ (Johannes 1,1). Das Wort ist in der Tat die Basis für die menschliche Entwicklung, von der Geburt des Menschen bis hin zu seinem Tod. In unserem Bistum entwickelt sich die Bibelpastoral und dies freut mich sehr.


Papst Franziskus hat die Verkündigung des Evangeliums zu einer Priorität gemacht. Er lädt uns dazu ein, eine Kirche „im Aufbruch“ zu sein, eine Kirche, die sich nicht auf ihr eigenes Wohl oder auf spezifische Interessengebiete beschränkt. Sie muss eine Stellung einnehmen, in der sie die Aufgabe der Verkündigung wahrnimmt. Meine zweite Priorität ist also folgende: Wie sind wir Akteure in Bezug auf die Verkündigung des Evangeliums? Ein Weg ist das soziale Engagement. Doch dieser Weg wird durch die explizite Verkündigung weitergeführt. Sie beginnt in einer Unterhaltung rund um einen Tisch, in der Intimität. Anschließend geht sie durch den Unterricht. Bei uns entwickelt sich das Katechumenat der Erwachsenen. Die Katechese wird reflektiert, ausgehend von einer integrierten Katechese, die auch die Erwachsenen betrifft. Unsere religiösen Weiterbildungen nehmen dank ihrer offiziellen Anerkennung durch die UCL zu.


Der Unterricht ist ebenso wichtig. In unseren freien Schulen werden eine christliche Anwesenheit und ein christlicher Geist erwartet. Die Beziehungen zur Pfarre sind hier sehr nützlich. Der Religionsunterricht, der heute in Frage gestellt wird, ist notwendig; er ist wie eine Lunge für die Spiritualität und die Menschheit. Die Bischöfe, Gewerkschaften und der SeGEG werden sich für Religionsunterricht einsetzen.


Auch die Medien spielen eine Schlüsselrolle. Es muss besser kommuniziert werden, auf der Webseite des Bistums, durch RCF, durch mehr Präsenz in den Medien und eine Verbesserung der Kommunikationsdienste.


Jeder Laie muss sich fragen, wie er Zeuge des Evangeliums ist. Unsere diözesane Kirche war auch Vorreiter in Sachen Evangelisierung. Ich denke hier an das Engagement der SAM in China, die durch Pastor André Boland zusammen mit P. Vincent Lebbe gegründet wurde, an das Engagement in Ruanda mit Präzes Ernotte, an das Engagement in Lateinamerika, das mit dem Besuch von Hochwürden Eugène Rixen, Bischof von Goias in Brasilien, in der Fastenzeit ganz besonders aktuell ist.


3.       Lumen gentium oder die Kirche als innerer Organismus


Das Konzildokument Lumen gentium (Licht der Völker) des Zweiten Vatikanischen Konzils befasst sich mit der Kirche als innerer Organismus, die Kirche als Volk Gottes, die Pfarrer, Diakone und Laien zusammenbringt, die Kirche als Gruppe von christlichen Gemeinschaften. Die Gemeinschaften sind Sakrament des Heiles. Das Zusammenwirken der verschiedenen Akteure ist äußerst wichtig. Ein Priesterrat, eine Dechantenkonferenz usw. sind notwendig, genauso die Gründung von Pfarrverbänden mit Kontaktgruppen und Pfarrverbandsräten. Ihr jeweiliges Potential wird gebündelt. Doch – und dies ist mein dritte Priorität: Wie können wir einen Freundschaftsgeist wecken, ein Zeugnis von gegenseitiger Liebe, eine wahre Zusammengehörigkeit?


Es ist wichtig, die Komplementarität von Männern und Frauen zu leben. Anhand der konkreten Erfahrung und der Rolle der Frauen in den Gemeinschaften wird sich diese in der Weltkirche besser abzeichnen. Der Papst fordert uns zu dieser Wahrnehmung auf. Er betont das Charisma der Fruchtbarkeit, das die Frau besitzt, sowie das der Ausbilderin. Er gibt der Rolle Maria-Magdalenas als erste Verkünderin des Evangeliums einen besonderen Stellenwert.


Die Figur des Priesters ist sehr wichtig: Sie ist das sakramentale Zeichen, dass die Gemeinschaft ihren Ursprung in Gott und nicht in sich selbst findet. Sie soll uns alle zum Nachdenken bringen. Der Priester muss erwünscht sein im Sinne der Komplementarität der Funktionen. Die Priester, Diakone und pastoralen Akteure müssen in ihrer Arbeit vor Ort, in der Vielfalt ihrer Ämter und in ihrem persönlichen Leben begleitet werden und bei jungen Menschen soll der Wunsch geweckt werden, sich in das Priesteramt – und das Zölibat - zu engagieren.


Wir sind bereits ein Bistum mit zwei Sprach- und Kulturgemeinschaften. Dies ist eine Besonderheit des Bistums Lüttich, die uns zur Offenheit stimuliert. Die Vielfältigkeit der Gemeinschaften und die Unterschiede in Bezug auf unsere Sensibilität sollen uns eher ermutigen als aufregen.


Die Vielfalt der Gemeinschaften liegt auch in der Vielfalt der Abstammungen: afrikanisch, polnisch, italienisch, usw. Das religiöse Leben und das Auftauchen neuer Gemeinschaften sind ein wertvolles Gut im Leben des Bistums.


Die Pastoral der Jugend ist unabdinglich. Sie muss sich ganz besonders um die Organisation von Veranstaltungen und das Weiterführen von bestehenden Initiativen kümmern. So ist der Weltjugendtag ein ganz besonderer Moment für die Jugendlichen. Genauso spielen ähnliche Initiativen und die Jugendbewegungen hier eine wichtige Rolle.


4.       Sacrosanctum Concilium oder liturgische Feiern und Gebet


Das Konzildokument Sacrosanctum Concilium des Zweiten Vatikanischen Konzils befasst sich mit der liturgischen Feier. Die spirituelle Dimension ist äußerst wichtig in unserer Welt. Die Liturgie und das Gebet spielen eine maßgebende Rolle. Es muss überlegt werden, wie diese Dimension neu belebt werden kann, wie der Liturgie Herzlichkeit verliehen werden kann und gleichzeitig Würde. Der Aspekt der Würde ist notwendig und eine liturgische Ausbildung muss weiterhin angeboten werden. Persönlich würde ich als Musiker ein Repertoire an gemeinsamen Liedern fördern wollen, die auch in der Katechese dienen können.


Die Feier der Sakramente fordert unsere Aufmerksamkeit, was ihre Entwicklung und die Schwierigkeiten, die sie hervorruft, betrifft. Dies wirft Fragen in uns auf. Dennoch ist es sicher, dass die Feier der Sakramente die Quelle neuer und nützlicher Engagements ist, z.B. was die Vorbereitung von Begräbnissen oder Taufen und Hochzeiten betrifft.


Es müssen auch Momente des Gebets gefunden werden, die sich von der Eucharistie unterscheiden. Mein Vorgänger, Hochwürden Aloys Jousten, hat die Gebetstreffen rund um das Wort Gottes gefördert. Ich denke hier an das Abendgebet oder an Anbetungen oder Veranstaltungen wie Prozessionen oder Straßenveranstaltungen. Es ist wichtig, Orte für das Gebet und die Spiritualität anzubieten. Wir hier haben das Glück, die heilige Stätte von Banneux in unserem Bistum zu haben sowie eine sehr aktive Wallfahrtsbewegung nach Lourdes. Dies ist eine große Bereicherung!


Das Leben der neuen Gemeinschaften ist ein wichtiger Ausgangspunkt für das persönliche und gemeinschaftliche Gebet. Das Gebet ist ein Moment des Innehaltens, der in unserer heutigen Gesellschaft nicht immer verstanden wird. Im Islam und im Buddhismus wird dem Gebet ein wichtiger Platz im täglichen Leben eingeräumt. Die Menschen in unserer Zeit sind auf der Suche nach Spiritualität. Es ist wichtig, auf diese Erwartung einzugehen: Die ist meine vierte Priorität. Wir sind dazu eingeladen, diese öfter inniger zu leben.


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Liebe Mitchristen,


in dieser Fastenzeit 2014 wünsche ich mir, dass der Weg, den wir gemeinsam gehen, uns durch das Licht und die Schatten des Alltags, zur Heiligen Woche und dem Feste der Auferstehung Jesu führe. Möge jedes einzelne unserer Leben auf diesem Weg bewahrt und bereichert werden, damit wir in der Freude an der Auferstehung Christi teilhaben!


+ Jean-Pierre Delville
Bischof von Lüttich 


Banneux, den 18. März 2014



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