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Tous les éditos > Predigt 5. Sonntag der Osterzeit Eupen, den 13. Mai 2017 - Firmung in der Sankt-Josefs-Kirche (15/05/2017)


 


Predigt 5. Sonntag der Osterzeit


Eupen, den 13. Mai 2017, Firmung in der Sankt-Josefs-Kirche


 


Jean-Pierre Delville, Bischof von Lüttich


 


Liebe Brüder und Schwestern,


Liebe Firmlinge,


 


Vielleicht habt ihr euch schon mal folgende Frage gestellt: Was mache ich auf dieser Erde?


Und was machen all diese Leute, denen ich auf der Straße begegne, die geschäftig oder gelangweilt aussehen? Woher kommen wir und wohin gehen wir? Oft scheint unser Leben ein wenig zusammenhanglos. Es besteht, wie es scheint, aus Puzzleteilen, einem unvollständigen Puzzle, das kein klares Bild liefert. Deshalb versuchen wir, klarer zu sehen, um alles zu verstehen.


Wir sind ein bisschen wie der Jünger Philippus, der, im Evangelium, das wir soeben gehört haben (Joh. 14,8-12), zu Jesus sagte: «  Herr, zeig uns den Vater  » - « zeige uns Gott » -,  « Gib uns ein Gesamtbild des Lebens ». Philippe ist der ungeduldige Mann, er braucht Gewissheit und fragt nach einer Vision, um alles auf einmal zu verstehen. Darauf antwortet Jesus einfach: « Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. […] Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist. » Das Geheimnis Gottes ist also näher als wir dachten. Suchen wir Ihn also nicht in der Ferne; Er ist vollständig sichtbar im Leben Jesu. Wir müssen die Gewissheit nicht in der Unendlichkeit des Himmels suchen, sondern in der Einfachheit des Lebens Jesu und in der Hingabe seiner Selbst, in dem er sein Leben für uns hingegeben hat.


Heute braucht die Welt Menschen, die ihr Leben für andere hingeben, die nicht nur in ihrem persönlichen Interesse handeln. Dies ist ein Aufruf unseres Herrn an euch Firmlinge: nehmt euch Zeit für andere, schenkt anderen eure Nächstenliebe! Findet gute Gelegenheiten, um euch für etwas einzusetzen! Dies habt ihr bereits in der Vorbereitung zu eurer heutigen Firmung getan. Dies konnte ich aus euren Briefen entnehmen. Hier, zum Beispiel, einige Gedanken, die ihr mir mitgeteilt habt und die eure Motivation deutlich machen:


„Der Grund meiner Firmung ist im Laufe der Unterrichtsstunden klar geworden. Und das möchte ich Ihnen anhand dieses Zitates erklären: Das Glück ist das einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt“.


„In letzter Zeit habe ich einiges durchgemacht und vieles hat sich dabei geändert für mich, wobei ich spürte, dass Gott immer hinter mir stand. Ich hoffe dass ich durch die Firmung mehr Verantwortung und Selbstständigkeit bekommen werde.“


„Ausserdem finde ich es gut das ich nicht alleine bin um mich auf die Firmung vorzubereiten. Die Gemeinschaft unter einander zu fördern um ans gleiche Ziel zu kommen : Gott näher zu kommen.“


Dank euch wird die Kirche größer und reicher an verschiedenen Persönlichkeiten, wie zur Zeit der Urkirche, wie wir in der ersten Lesung gehört haben (Apg. 6,1-7): « Die Zahl der Jünger nahm zu. » Aus diesem Grund haben die Apostel Diakone gewählt, das heißt Menschen, die sich in den Dienst der anderen stellen, zum Beispiel um Mahlzeiten zu organisieren. Man hat sich organisiert. Unter den Diakonen waren Griechen - also Ausländer, Menschen, die keine Juden waren: Man beschloss, den Ausländern einen Platz in der christlichen Gemeinschaft einzuräumen. Dies entspricht dem, was wir auch heute erleben. Die christliche Gemeinschaft ermöglicht, dass sich Menschen aus sehr unterschiedlichen Kulturen im Einklang leben können.


Unter den Diakonen gab es einen gewissen Stephanus. Später wird er als Christ verraten und von intoleranten und fanatischen Menschen zu Tode gesteinigt. Er wurde der erste Märtyrer. Auch heute noch gibt es Menschen, die wegen ihres Glaubens leiden. Diese Woche mussten wir erfahren, dass der Gouverneur von Jakarta in Indonesien ins Gefängnis kam, weil er Christ war. Solche Taten geschehen aufgrund des Drucks von fanatischen Kreisen, die ihre Privilegien behalten wollen.


Christ zu sein ist riskant, und bedeutet zu akzeptieren, sein Leben aus Nächstenliebe, wie Jesus, hinzugeben. Ohne Nächstenliebe wird die Menschheit selbst vernichtet. Die Botschaft des Evangeliums muss durch den Heiligen Geist in alle Kulturen eindringen, denn er weht, wo er will, und verbreitet die Liebe in alle Herzen, die sich ihm öffnen.


Deshalb werdet ihr heute gefirmt. Das Wort « Konfirmation / Firmung » in Latein confirmari, bedeutet « gestärkt », « stark gemacht ». Dies ist das Gegenteil von « kränklich »; es bedeutet « gefestigt » zu sein. Die Firmung macht euch standhaft, macht euch, durch die Gabe des Heiligen Geistes, stark im Glauben.


Also, liebe Brüder und Schwestern, lasst uns die Jugendlichen durch unsere Anwesenheit und unser gemeinsames Gebet stärken. Wir sind alle Zeugen füreinander, und die Anwesenheit eurer Taufpaten und -Patinnen zeugt davon. Ihr Jugendlichen seid nicht alleine im Leben: eure Paten, eure Eltern, eure Großeltern, eure Geschwister, eure Katecheten und euer Priester sind wie Engel bei euch. Sie bilden die Glaubensgemeinschaft und vertreten Christus, der uns hilft und zuhört.


Die Puzzleteile unseres Lebens verwandeln sich in ein schönes Bild! Denn Jesus ist für uns der Weg, die Wahrheit und das Leben.


Danken wir Gott, dem Herrn, für diese schöne Feier und lasst uns Eins sein im Glauben, um unseren Brüdern und Schwestern auf der ganzen Welt zu dienen und die Welt besser zu machen! Amen!


+ Jean-Pierre Delville, 


Ihr und euer Bischof.



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