Notre évêque nous parle

Tous les éditos > Wort des Bischofs : Barmherzigkeit, weit mehr als ein Wort… (EDL 11-12.2015) (01/11/2015)




Liebe Brüder und Schwestern,


 


Wie Sie bereits wissen, lädt uns Papst Franziskus zu einem Jubeljahr, dem Jahr der Barmherzigkeit, ein. Es wird am 8. Dezember 2015 (Fest der Unbefleckten Empfängnis Marias) eröffnet, und endet am 20. November 2016 (Fest Christ-König). Der Leitgedanke des außergewöhnlichen Jubiläums der Barmherzigkeit lautet Misericordiae vultus (Das Gesicht der Barmherzigkeit) denn, wie unser Papst schreibt, « Jesus-Christus ist das Gesicht der Barmherzigkeit des Vaters ». Er verdeutlicht dies mit: « Barmherzig wie der Vater, so lautet die „Losung“ des Heiligen Jahres ».


 


Das Wort « Barmherzigkeit » beinhaltet zwei verschiedene Begriffe aus der hebräischen Bibel. Der erste ist « raham » (meist in der Mehrzahl benutzt: « rahamim »), was « Zärtlichkeit » oder « Nachsicht » bedeutet, laut seiner ursprünglichen Bedeutung von « Bauch, Schoß, Eingeweide ». Es ruft also das Gefühl von « an die Nieren gehen » hervor, es handelt sich um eine Gemütsbewegung mit Anspielung auf den mütterlichen oder väterlichen Instinkt ; es handelt sich um einen bildlichen Ausdruck, der auf das Konkrete eines Menschenlebens verweist, wie es sehr häufig im Hebräischen der Fall ist, eine Sprache, die Konkretes im Vergleich zu abstrakten Gefühlen vorzieht.


 


Der zweite hebräische Begriff, der mit Barmherzigkeit übersetzt wird, lautet « hesed », was « Treue » bedeutet: Treue in der Beziehung, gegenseitige Liebe, die sich mit der Zeit abzeichnet. Dieses Wort beinhaltet also eine Liebesgeschichte, die trotz ihrer Höhen und Tiefen anhält und durch ihre Kontinuität und Treue Bestand hat.


 


Diese doppelte Annäherungsweise an die Beziehung ergänzt sich: die erste hebt die augenblickliche Dimension und auf das Gefühl hervor, das konkret und körperlich erlebt wird; die zweite betont die geschichtliche Dimension und die Beziehung, die sich langfristig und in Treue aufbaut. Diese beiden hebräischen Worte wurden häufig im Lateinischen mit « misericordia » übersetzt; sie wurden also in einem einzigen Wort zusammengefasst, das ein anderes Bild als das Hebräische zeigt, nämlich das des Herzens. Daher muss die « Barmherzigkeit » sowohl als ein sofort eintretendes Gefühl, als auch eine langfristige Beziehung verstanden werden. Dies ist die Beziehung, zu der Gott uns aufruft, und die wir, in seinem Namen, mit unseren Brüdern und Schwestern aufbauen sollen. Das Bistum Lüttich engagiert sich in diesem Jubeljahr. Genaue Angaben zu diesem Thema finden Sie in dieser Ausgabe von Église de Liège. Ich lade jeden herzlich ein, diesen vom Papst vorgeschlagenen Ansatz der Barmherzigkeit intensiv zu leben.


 


Dies ist umso aktueller, da unser Land und unser Kontinent Flüchtlinge aus Syrien und Irak aufnehmen. Wir wissen, dass ihre Lebensbedingungen dort auf Grund des Krieges unerträglich sind. Daher kommen sie zu uns. Wir suchen für sie Wohnungen oder Häuser, jedoch auch Menschen, die etwas ihrer Zeit erübrigen können, um mit uns die Aufnahme und die Unterbringung dieser Familien zu organisieren. Das Vikariat Evangelium und Leben hat hierzu eine Koordinationsstelle im Dienste der Migranten (04/223.73.93) ins Leben gerufen, die die Initiativen zentralisiert. Ich lade Sie ein, großzügig auf diese Initiativen zu antworten.


 


Tatsächlich feiern wir ja zum Jahresende Weihnachten, die Geburt Jesu. Dieser wurde in einem Stall geboren, weil seine Familie auf Grund einer Volkszählung weit weg von zu Hause war.  Auch heute noch sind viele Menschen dazu gezwungen, weit weg von zu Hause zu leben. Wenn wir also Weihnachten feiern, sollten wir in Solidarität mit all jenen feiern, die weit weg von zu Hause sind. Feiern wir also die Ankunft Gottes in unserem Leben und im Leben aller Armen dieser Welt!


 


Jean-Pierre Delville,


Ihr Bischof



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