Notre évêque nous parle

Tous les éditos > Gedenken – Denken – Danken (01/03/2014)


Liebe Mitchristen im Bistum Lüttich,


das neue Jahr hat begonnen!
Es wird von einigen Gedenktagen geprägt sein, die ich gerne hervorheben möchte.
Sie werden uns auf unserem Weg durch die Fastenzeit bis hin zu Ostern, dem Fest der Auferstehung Jesu, helfen.


Der erste Gedenktag ist der hundertste Jahrestag für Belgien des Beginns des ersten Weltkrieges; in der Tat überquerten am 4. August 1914 die deutschen Truppen die belgische Grenze. Am 4. August 1914 diesen Jahres wird Lüttich der Schauplatz eines durch die Föderalregierung organisierten Gedenktages sein, zu dem 60 Staatsoberhäupter an der interalliierten Gedenkstätte in Cointe erwartet werden. Am 15. August wird eine Messe im Fort de Loncin gefeiert zum Gedenken an die Soldaten, die dort den Tod gefunden haben, um ihr Land zu verteidigen. Der Krieg 14-18 ist ein dramatisches Ereignis in unserer Geschichte: Es ist der erste Industriekrieg mit überaus vielen Toten und Ausdruck von geschürtem Nationalismus. Er lädt uns dazu ein, über den Frieden in der Welt und über Wege einer Weltordnungspolitik nachzudenken. Er ist ein Wendepunkt in der Geschichte Europas und legt einen allerersten Stein für die europäische Union.


Der zweite Gedenktag ist der des Todes von Karl dem Großen im Jahre 814, der vor allem in Herstal und Aachen gefeiert wird. Aus einer chaotischen Situation hat Karl der Große die Einheit Europas geschaffen; er wurde zu seiner Zeit der „Vater Europas“ genannt. Sein Wirken im religiösen Bereich hat zur Einheit der Kirche beigetragen; dazu förderte er den Glauben in die Dreifaltigkeit. Er lässt uns heute über die Rolle unseres Glaubens und unserer Kirche im Rahmen der Entwicklung der europäischen Union nachdenken.


Der dritte Gedenktag, den ich hervorheben möchte, ist der des 750. Jahrestags der Einführung des Fronleichnamsfests in der Weltkirche durch die Bulle Universas von Papst Urban IV. im Jahre 1264. Jacques Pantaléon stammte aus Troyes und war Domherr der Kathedrale von Lüttich, wo er Juliana von Cornillon und Eva von Saint-Martin kennen gelernt hatte. Als er mit diesen die geringe Teilnahme der Gläubigen an der Kommunion feststellte, beschloss er, das Verständnis für die Eucharistie zu fördern. Als Papst richtete er einen persönlichen Brief an Eva, um seine Entscheidung mitzuteilen. Dieses Fest lädt uns dazu ein, die Aktualität der Auferstehung Christi im Leben des Christen durch die Feier des Brotbrechens zu verstehen. Der Gedenktag seiner Einführung wird am Fronleichnamsfest, Donnerstag, 19. Juni, in Lüttich durch eine Eucharistie in Saint-Martin begangen. Ihr geht eine Prozession von der Kathedrale voraus. Die Präsenz der Christen in der Stadt entspricht dem Vorschlag, den Papst Franziskus uns macht, aufzubrechen und in der Gesellschaft anwesend zu sein.


Jeder dieser Gedenktage ist irgendwie ein Fasten, das auf ein Ostern zugeht. Die Fastenzeit bereitet uns vor, Ostern zu erleben und zu schätzen. Ganz besonders in diesem Jahr lädt uns Papst Franziskus in seinem Schreiben zur Fastenzeit ein, letztere zu leben mit dem Wort des heiligen Paulus: Jesus Christus wurde für euch arm, denn er wollte euch durch seine Armut reich machen (2 Kor 8,9).


Der Papst macht sich Gedanken zu dieser Botschaft und schreibt: Es handelt sich weder um ein Wortspiel, noch um eine Stilfigur! Es handelt sich im Gegenteil um eine Synthese der Logik Gottes, der Logik der Liebe, der Logik der Inkarnation und des Kreuzes. Gott hat das Heil nicht von oben auf uns herunterfallen lassen, so wie derjenige es tun würde, der seinen Überfluss aus philanthropischem Pietismus als Almosen geben würde […]. Er tut es, um mitten unter den Menschen zu sein, bei denjenigen, die der Vergebung bedürfen, um mitten unter uns zu sein, die wir Sünder sind, und um die Last unserer Sünden auf sich zu nehmen. Wir sind also eingeladen, in dieser Solidarität Christi mit uns Armen eine Geste der Reintegration der Armen in der Gesellschaft und im Reich Gottes zu sehen. Nun sind wir an der Reihe, diese Solidarität mit den Armen zu leben, an ihrer Integration mitzuwirken, gleich ob es sich dabei um Arme in Bezug auf materielle, moralische oder spirituelle Fragen handelt, fügt der Papst hinzu.


Konkret lädt uns Miteinander Teilen dieses Jahr dazu ein, uns mit den Bauern Brasiliens zu solidarisieren, damit sie ihr Land in Gerechtigkeit anbauen können trotz zahlreicher Widerstände. Überall in der Welt gibt es Situationen von Ungerechtigkeit, die über die Gerechtigkeit vorherrschen. Die Fastenzeit lädt uns dazu ein, eine geistige Weltreise zu unternehmen, um mit den Leidenden solidarisch zu werden. Unser Armutsweg mit dem leidenden Christus wird uns zum Wunder der Auferstehung führen.


Da das Ostern der Kirchen des Westens in diesem Jahr mit dem der Kirchen des Ostens zusammenfällt, sind wir zu einem ökumenischen Gebet mit unseren Brüdern aller christlichen Konfessionen eingeladen am Ostertag, den 20. April, zur Mittagszeit, auf der Place Cathédrale. Herzlich willkommen an alle!


Und bereits jetzt, eine gute Fastenzeit und ein gesegnetes Osterfest!


Euer Bischof
Jean-Pierre Delville



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