Notre évêque nous parle

Tous les éditos > Predigt 3. Sonntag im Jahreskreis 2016 in der St Nikolaus Kirche, Eupen - 24 Januar 2016 (26/01/2016)




 


Liebe Brüder und Schwestern,


 


Es freut mich sehr, mich am heutigen Sonntag, der meinen Pastoralbesuch im Dekanat Eupen-Kelmis krönt, an Sie zu richten.


 Es ist eine große Freude, Sie alle, aus verschiedenen Pfarren und Gemeinschaften, hier versammelt zu sehen. Es war mir eine Freude, die unterschiedlichen kirchlichen Realitäten  in Ihrem Dekanat in diesen Tagen zu entdecken. Ich bin Priestern und Diakonen, Schülern und Schulpersonal, betagten und kranken Menschen, sowie Verantwortlichen von Unternehmen, Mitgliedern der Kirchenfabrikräte, politischen Vertretern, sozial engagierten Organisationen, Jugendgruppen und Angehörigen verschiedener Religionen begegnet.


 


Es ist ein außergewöhnlicher Glückszufall, dass sich die Liturgie des heutigen Sonntags auf die Verkündigung des Wortes Gottes und die Vielfalt der Sendungsaufträge  eines jeden konzentriert. Wir hörten soeben, wie der heilige Lukas sein Evangelium einleitet, indem er es an seinen « hochverehrten Theophilus » richtet; und danach, wie Jesus, seinerseits, das Wort Gottes in der Synagoge von Nazareth verkündet. « Theophilus » bedeutet « Freund Gottes ». Heißt jemand Theophilus, oder Theo, unter euch? In der Tat ist Theophilus nicht nur der Korrespondent vom Heiligen Lukas, wir alle sind es: jeder, der das Evangelium liest, ist ein « Freund Gottes »!


 


Zuvor hörten wir, wie der Priester Esra vor dem Tempel von Jerusalem dem Volk, das aus der Verbannung zurückgekehrt ist, die Bibel verkündet, und dass dieses Volk den Bibeltext und dessen hebräische Sprache vergessen hat. Ich möchte gerne einen Schlüsselsatz aus der ersten Lesung aufgreifen: « Man las aus dem Buch, dem Gesetz Gottes, in Abschnitten vor und gab dazu Erklärungen, so dass die Leute das Vorgelesene verstehen konnten. » Dies besagt, dass man den Bibeltext in der Öffentlichkeit laut vorlas und anschließend erklärte, damit das Volk ihn im Zusammenhang mit seinen Lebensumständen verstand. Ich denke, dass diese Vorgehensweise auch heute für uns sehr wichtig ist. Der Bibeltext muss gehört und vernommen werden, aber er muss  auch ausgelegt werden, da jeder von uns die Botschaft vom Wort Gottes für sein persönliches Leben umsetzen muss. Christ sein heißt, ein Hörender zu sein! Dieser Ansatz des Hörens ist grundlegend. Ein Mensch kann nur wachsen, wenn er ein Wort hört. Das Kleinkind kann sich entwickeln, weil es eine Sprache hört. Ohne Worte, ohne Sprache könnte das Kind sich nicht entwickeln, es wäre wie ein kleines Tier. Aber was für eine Freude, wenn das Kind seine ersten Worte spricht! Es eignet sich die Sprache an und kann sich verständlich machen, wird allmählich eigenständig. Ohne Sprache wäre es für immer abhängig und unfähig zu überleben, wenn es auf sich allein gestellt wäre. Aber mit der Sprache entwickelt sich das Kind und wird erwachsen. Wir, als Christen, haben in ähnlicher Weise ein Wort erhalten, das uns vorausgeht: Gottes Wort. Wenn wir darauf hören, erhellt es unseren Alltag und hilft uns, uns weiter zu entwickeln. Darum sagen wir mit dem Evangelist Johannes: « Am Anfang war das Wort; und das Wort war bei Gott; und das Wort war Gott » (Joh. 1,1).


 


Im heutigen Evangelium haben wir gehört, wie das Wort Gottes vom Evangelisten Lukas, auf Grund seiner Nachforschungen über das Leben Jesu, niedergeschrieben wurde (Lk 1,1-4). Also hat sich das Wort Gottes durch Jesus neu Gehör verschafft. Jesus selbst verdeutlichte es, als er in der Synagoge von Nazareth das Wort ergriff (Lk 4,18-20). Er liest einen Auszug des Propheten Jesaja. Dann fügt er hinzu: « Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt ». Hier tut sich etwas Neues auf: mit Jesus wird das Wort Gottes Wirklichkeit, es wird aktuell, es wird zum « Heute ».


Dieses « Heute » betrifft das Herz der Heiligen Schrift, was man durchweg als Evangelium der Barmherzigkeit bezeichnen könnte (Lk 4,14-21). Denn der Text des Propheten Jesaja, den Jesus aktualisiert, sagt, dass er gesandt wurde, um den Armen das Evangelium zu verkünden, den Gefangenen die Freiheit und den Blinden das Augenlicht wieder zu schenken und ein Gnadenjahr anzukündigen. Was für Jesaja ein Versprechen war, wird in Jesus Wirklichkeit. Es stimmt, dass Jesus Kranke heilte und den Armen die Frohe Botschaft verkündete. Er hat also die Gnade Gottes empfangen und sie in seiner Umgebung in die Praxis umgesetzt. Er lebte die Liebe, über Konventionen und Verpflichtungen hinaus. Er liebte  gratis.


Wir entdecken in diesem Evangelium, dass Jesus sich eines Sendungsauftrages bewusst ist. Er sagt, dass er hierfür vom Geist Gottes erfüllt ist. Diese Sendung, die Jesus anvertraut wurde, ist uns bis heute übertragen worden. Sie wurde nicht vergessen. Aber jedes Zeitalter hat sie für sich neu auslegen müssen.


 


Liebe Brüder und Schwestern: Dies ist unsere Sendung! Auch wir werden mit einem Auftrag ausgesandt. Papst Franziskus legt sie uns in seinem Apostolischen Schreiben Evangelii gaudium, « Die Freude des Evangeliums » auseinander. Er sagt uns, dass wir eine Kirche sein müssen, die nach Draußen geht, auf Sendung. Kirche, schreibt er, ist « die Gemeinschaft der missionarischen Jünger, die die Initiative ergreifen, die sich einbringen, die begleiten, die Frucht bringen und feiern » (EG 24). Der Papst verdeutlicht somit das Profil der Pfarre: « Sie ist eine Gemeinde der Gemeinschaft, ein Heiligtum, wo die Durstigen zum Trinken kommen, um ihren Weg fortzusetzen, und ein Zentrum ständiger missionarischer Aussendung » (EG 28).


Schon in meiner Konferenz am letzten Mittwoch sagte ich: „Unsere Kirche braucht es gesandt zu sein. Sie muss noch mehr Zeugnis in unserer Gesellschaft ablegen. Sie muss Menschen erreichen, die weit weg von ihr sind. Eine solche Mission übersteigt nicht unsere Fähigkeiten. Man kann einen Sendungsauftrag bestimmen; man kann ihn gezielt umschreiben, man kann ihn vorbereiten.“


Also ist es wichtig, dass sich jeder fragt: Was ist mein Sendungsauftrag? Welche Gnadengaben habe ich erhalten - hier in der DG, im Dekanat Eupen-Kelmis? Zu welcher Aufgabe bin ich berufen? Denn Niemand bleibt ohne Auftrag. Jeder muss in seinem Leben eine Aufgabe erfüllen. Aber es ist nützlich zu wissen, wie jeder einzelne seinen Sendungsauftrag in den Dienst aller stellen kann. Hierzu hilft uns die christliche Gemeinschaft, die unseren Sendungsauftrag umrahmt.


Also, liebe Brüder und Schwestern, empfangen wir mit Freude diese Botschaft des Evangeliums, die uns voranbringt. Sie gibt uns neue Kraft, eine neue Beauftragung, persönlich oder in Gemeinschaft. Lasst uns Gott danken für die Feier, die er uns heute schenkt. Stellen wir uns, mit unseren bescheidenen Kräften und unserem guten Willen, in den Dienst der anderen. Lasst uns auf das Wort Gottes hören, das ein jedes Leben in einen neuen und ewigen Bund mit Gott und der Menschheit verwandelt.


Amen.


 


Mgre Jean-Pierre Delville


Euer Bischof



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