Notre évêque nous parle

Tous les éditos > Der Sinn der außerordentlichen Form des Römischen Ritus (05/04/2014)


Predigt für die Votiv-Messe vom unbefleckten Herzen Mariä


Herzogenrath, St-Gertrud


Liturgische Tagung


Liebe Mitchristen,


Es ist mir eine Freude, heute mit Ihnen hier zu sein, um die Messe in der außerordentlichen Form des Römischen Ritus zu zelebrieren. Wir haben diese Messe unter den Schutz Mariä und ihres unbefleckten Herzens gestellt. Sie ist für uns eine Mutter, wie Jesus auf dem Kreuz zu Apostel Johannes sprach: Siehe da, deine Mutter. Von dieser Stunde an nahm sie der Jünger zu sich (Joh 19,25-27). Indem er Maria zu sich nahm, schützte der Jünger sie und kümmerte sich um sie. So wollen wir auch heute die Kirchentradition schützen und leben lassen, indem wir die Liturgie nach der alten Tradition feiern. Wir nehmen sie zu uns, so wie Johannes Maria zu sich genommen hat. Zu diesem Thema schrieb Papst Benedikt XVI.: Es tut uns allen gut, die Reichtümer zu wahren, die im Glauben und Beten der Kirche gewachsen sind und ihnen ihren rechten Ort zu geben.


Die traditionelle Liturgie ist in der Tat ein wahrer Erbschatz an Worten, Gesten, Bildern und Liedern, die uns helfen, unseren Glauben zu leben. Es wäre schade, dies alles zu einem reinen Museumsobjekt zu machen. Denn dieses liturgische Material prägt auch heute noch unseren Glauben. Indem der Papst von einer „außerordentlichen Form“ spricht, erinnert er daran, dass es eine „ordentliche Form“ der Liturgie gibt, die durch das 2. Vatikanisches Konzil gefördert wurde. Beide Formen müssen also miteinander verbunden werden und dürfen nicht voneinander getrennt werden. Das Konzil wollte eine größere Beteiligung der Gläubigen an der Liturgie und die Rückbesinnung auf die biblischen Wurzeln des Glaubens fördern. Wir folgen diesem Gedankengang, indem wir die Messe in der außerordentlichen Form feiern. Denn wir alle haben durch unsere Worte, unsere Gesten, unseren Gesang und unser persönliches Gebet am gemeinschaftlichen Gebet teil. Und wir kehren zu den Wurzeln unserer Glaubenstradition zurück, nicht nur zu den biblischen Wurzeln, sondern auch zu den liturgischen Wurzeln, in der Originalsprache, in der sie geschaffen wurden.


Die Worte und Texte der traditionellen Liturgie gehen manchmal ins 4. Jahrhundert zurück und in das Zeitalter des Heiligen Ambrosius von Mailand, der Hymnen für die Liturgie verfasst hat. Die Kirchengebete der Messe sind in einem rhythmischen Latein verfasst, das der Poesie ähnlich ist. Oft beinhalten sie drei Schritte: die Kontemplation von Gottes Werk, die Betrachtung der Situation des Gläubigen und die Formulierung seines Bittgebets. Sie sind immer an Gott den Vater gerichtet und berufen sich letztendlich auf die Vermittlung Jesu Christi und des Heiligen Geistes. So wird das Kirchengebet zu einem Gebetsmodell für uns: Kontemplation Gottes, Betrachtung der Situation des Menschen, Ausdruck des Gebets voller Vertrauen. Die Passus der Heiligen Schrift befinden sich in der ersten Lesung, dem Evangelium und dem letzten Evangelium, aber auch im Introitus-Gesang, im Psalm des Graduales und im Versikel vor das Evangelium sowie in den Liedern zur Gabenbereitung und Kommunion. Meistens kommen diese öfters vor als in einer Messe gemäß der ordentlichen Form. Im Kanon der Messe wird uns die Poesie der Worte manchmal überraschen: So wird das ewige Leben als ein „refrigerium“, ein Ort der Frische, beschrieben. Und vor der Kommunion, wenn der Priester das Brot bricht und ein Stück davon in den Kelch legt, gebraucht er das Wort „Konsekration“. Denn in der Tat endet die Konsekration des Leibes und des Blutes Christi durch diese Mischung, die das Bild der Verbindung zwischen Seele und Körper hervorruft.


Neben Worten beinhaltet die Liturgie Gesten. Diese sind tiefgründiger als in der ordentlichen Form. Die Gesten geben dem gesprochenen Wort eine symbolische Bedeutung; so beugt der Priester jedes Mal sein Haupt, wenn er das Wort Jesus ausspricht, um darauf hinzuweisen, dass im Menschsein des Menschen Jesus sich seine Göttlichkeit oder seine göttliche Natur verbirgt. Der Priester küsst den Alter vor jedem Gebet: Damit sagt er, dass das Gebet, das er sprechen wird, von Christus inspiriert ist, für den der Altar als Symbol steht. Nach der Konsekration macht der Priester eine Kniebeuge vor dem heiligen Sakrament des Leibes und Blutes Christi, um sein Lob auszudrücken. Und er beugt sich tief während seines persönlichen Gebetes, um seine Demut zum Ausdruck zu bringen. Sogar sein Blick unterliegt einem Kode: So muss der Priester den Blick zum Himmel heben, wenn er Brot und Wein bei der Gabenbereitung als Opfergaben darbringt, um die Erwartung einer göttlichen Intervention auszudrücken.


Der Blick des Priesters verbindet sich mit dem Blick der Gläubigen. Diese sind entzückt von der Schönheit des Orts, der Gewände, der Bilder, der bunten Kirchenfenster, des Altars. Ihr Blick wird vor allem dann beansprucht, wenn die Hostie und der Kelch zum Himmel gehoben werden, bei der Konsekration, wenn sie den Kopf heben. Die Gläubigen werden auch vom Geruch des guten Weihrauchs gerührt, der ihren Geruchssinn erreicht. Die Sinne eines jeden werden geweckt, damit die ganze Person in ihrem Körper am Gebet teilnimmt und sich die Freude des ewigen Lebens vorstellt, wo wir allen alles und Gott alles werden. Es wird uns die selige Gottesschau zuteil.


Dann sind da die Lieder, die unser Gehör berühren. Wenn der Priester diese anstimmt, wird sein Gebet öffentlich und feierlich. Wenn die Lieder von den Gläubigen und dem Chor gesungen werden, drückt dies aus, dass jeder einzelne am Gebet des Priesters teilnimmt, in einem Dialog, wo jeder seinen Platz findet. Die Lieder verwandeln die Worte in Kunstwerke, in ein Lobpreisen, in einem Geist geprägt von Festlichkeit, Fröhlichkeit oder auch Trauer. Sie betonen die Gefühle, die das Gebet beleben, und treffen jeden einzelnen in seinem Herzen. Sie berühren sogar Gottes Herz, da der heilige Augustin sagte: wer singt, betet zwei Mal.


Liebe Mitchristen, so leben wir in dieser Zeremonie aus Worten, Gesten, Bildern und Liedern unseren Glauben. Wir nehmen einen Erbschatz auf, wie der heilige Johannes am Fuße des Kreuzes Maria, Symbol der Kirche, aufgenommen hat. So möge unsere Teilnahme an dieser Messe unsere Kirche leben lassen und uns zu Zeugen machen, wie der heilige Johannes, der Evangelist - das heißt Träger einer guten Nachricht -, für die ganze Welt. Amen.


+ Jean-Pierre Delville,
Bischof von Lüttich



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