Notre évêque nous parle

Tous les éditos > Die Gnade der Familie (01/11/2014)


Liebe Brüder und Schwestern,


 


Die soziale Familie


Sicherlich war der Start in das neue Pastoraljahr auch für Sie gut ausgefüllt. So hatte ich die Freude, das Fest des heiligen Lambertus in der Kathedrale zu feiern und dort die Mitglieder des Bischofsrats in seiner Gesamtheit vorzustellen und zu segnen. Am 14. September habe ich den Vorsitz in der Messe des glorreichen Kreuzes in der Kirche Sainte-Croix geführt und das Projekt der ökumenischen Koordination der Provinz Lüttich angekündigt, welches vorsieht, diese Kirche zu einem Ort mit ökumenischer Bestimmung zu machen. Weiterhin habe ich den Vorsitz in der Startmesse des Seminars in Namur geführt sowie des diözesanen Zentrums für Aus- und Weiterbildung (CDF), in der die Studenten, die ihre Studien am „CDF“ abgeschlossen haben, zur Mission entsendet wurden und ein Seminarist als Kandidat zum Priesteramt zugelassen wurde. Ich habe auch den Vorsitz in der Startmesse der Katholischen Universität Löwen (UCL) in Anwesenheit des neuen Rektors, Professor Vincent Bondel, geführt sowie dem Start in das neue Schuljahr an der ULg im Sart-Tilman und an der Hochschule HELMO in Lüttich beigewohnt. Hinzu kommen der „Salon retrouvailles“(Messe des Wiederfindens) der Stadt Lüttich, der Start des neuen Gerichtsjahres und des Provinzialratsjahres, dessen Höhepunkt die Rede von Gouverneur Michel Forêt anlässlich seines 10jährigen Dienstjubiläums war. All dies hat mir die Gelegenheit für fruchtbare Begegnungen gegeben und die Herausforderungen des zivilen Lebens in mein Bewusstsein gerückt.


 


Das Familienleben


Im Monat Oktober, der nun zu Ende geht, fand die Feier der Synode für die Familie in Rom statt. Diese konnte sich auf die Ergebnisse der breiten Studien stützen, die weltweit durchgeführt wurden. Diese wurden in einem präzisen Instrumentum laboris ohne hohle Phrasen zusammengefasst, das auf der Website des Vatikans zur Verfügung steht. Wie ich bereits am 17. September sagte, „die Familie ist der Ort, wo Freude und Leid im Leben am größten sind.“ Die Freude entsteht aus der Liebe, die man als Paar lebt, in der Beziehung mit den Kindern und im freundschaftlichen Umgang mit der Familie im weiteren Sinne. Das Leid entsteht aus Streitigkeiten, Unstimmigkeiten, Trennungen oder auch aus materiellen und psychologischen Problemen, die im Rahmen der Paarbeziehung oder der Erziehung der Kinder zu bewältigen sind. Solidarität ist nie leicht zu leben. Daher zögern viele zu heiraten und ein Leben der Treue in Betracht zu ziehen. In all diesen Fällen sind wir auf die Erleuchtung des Evangeliums angewiesen, das uns Kraft gibt, um die Gegenwart zu leben, sowie Hoffnung, um in die Zukunft zu schauen. Überall in der Welt braucht die Familie den Anstoß des Evangeliums. Und umgekehrt findet das Evangelium in der Familie ein Zeugnis. Ausgehend von der christlichen Erfahrung, die in der Familie erlebt wird - eine Erfahrung der Liebe, des Gebets und der Solidarität -, kann die Lebenskraft des Evangeliums wirklich bezeugt werden. Ziel der Bischofssynode, die im Oktober stattgefunden hat, ist es, dieser Zeugniskraft mehr Authentizität zu verleihen und dazu beizutragen, dass sie besser mit der Realität unserer Gesellschaft übereinstimmt, ihren Erwartungen und der derzeitigen Situation in Bezug auf das Familienleben. So waren die schwierige Lage der wiederverheirateten Geschiedenen, der homosexuellen Paare, der Alleinerziehenden, der alleinstehenden älteren Menschen, der nichtehelichen Lebensgemeinschaften, usw. Themen. Das Dokument von Mgr.  Johan Bonny, Bischof von Antwerpen, ist hier sehr vielsagend und trägt dazu bei, Überlegungen zu sammeln, die von vielen Katholiken in Belgien niedergeschrieben wurden. Dabei dürfen wir jedoch nicht vergessen, dass die Intuition von Paul VI. in der Enzyklika Humanae vitae darin besteht, den Stellenwert der Fruchtbarkeit im affektiven Leben zu wahren. Diese Intuition bleibt auch heute für jede affektive Beziehung wahr. Daher habe ich beschlossen, die Familienpastoral in unserem Bistum zu verstärken und das um Anne Locht bestehende Team „Paar und Familie“ zu vergrößern. Seine Hauptaufgabe wird darin bestehen, die Schlussfolgerungen der Synode umzusetzen im Hinblick auf die Vorbereitung der Synode, die nächstes Jahr zum selben Thema stattfinden wird.


 


Die religiöse Familie


Kann man vom Familienleben zum geweihten Leben übergehen? Es handelt sich um zwei sehr unterschiedliche Lebenssituationen, die jedoch beide eine gemeinschaftliche Dimension haben: So spricht man oft von religiösen Familien. Das geweihte Leben scheint gegen den Strom der üblichen Werte in unserer Gesellschaft zu schwimmen: Es steht für Armut, wo die Welt doch nach Reichtum strebt, für Enthaltsamkeit, wo oft sexuelle Freiheit gesucht wird, für Gehorsamkeit, wo Autonomiesuche oft gepriesen wird. Trotz dieser Diskrepanzen interpelliert das geweihte Leben unsere Gesellschaften und unseren Glauben. Auch hat Papst Franziskus, um es besser bekannt zu machen, das Jahr des geweihten Lebens ins Leben gerufen, das vom 30. November 2014 bis zum 2. Februar 2016 stattfinden wird. Eine konkrete Anwendung in unserem Bistum ist der nachfolgende Vorschlag, der vom Vikariat für das geweihte Leben gemacht wurde: Jede Pastoraleinheit soll einmal im Laufe dieses Jahres eine/n Ordensgeistliche/n einladen, während der Sonntagsmessen ein Zeugnis abzulegen.


 


Zwischen Allerheiligen und Weihnacht kommen wir auf unserem Weg mit den Themen Tod und Leben in Berührung. Wir wollen dem Tod begegnen, ohne ihn zu verstecken, wie heute allzu oft in unserer Gesellschaft. Lasst uns für die Verstorbenen beten und ganz besonders für diejenigen, die von der Welt vergessen sind; der Herr möge sie in seiner Liebe aufnehmen. Lasst uns für diejenigen beten, die der Tod getroffen und verletzt hat. Wir wollen uns auf die Feier dieses Fests des Lebens, das Weihnachten ist, vorbereiten. Im Herzen des Winters zeigt es ein Licht auf in einer Welt, die oft in der Dunkelheit versunken ist! Der 1. Januar wird wie jedes Jahr um 16.00 Uhr durch einen interreligiösen Marsch für den Frieden geprägt sein. Inmitten der Aufrufe von Spaltung und Zerrissenheit wollen wir Zeugen der Hoffnung sein!


 


+Jean-Pierre Delville, euer Bischof



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