Notre évêque nous parle

Tous les éditos > Osterzeit: liturgischer und kosmischer Zyklus (01/05/2014)


Liebe Mitchristen im Bistum Lüttich,


Diese Ausgabe von Église de Liège für die Monate Mai und Juni geleitet uns durch die gesamte Osterzeit. Die Sonntage und Feste, die diese prägen, führen uns tiefer in das Mysterium der Gegenwart des auferstandenen Christus in uns und in unserer Welt. Jesus begleitet uns auf dem Weg des Lebens, so wie er die Jünger von Emmaus begleitet hat (4. Mai). Er ist unser Hirte und unsere Pforte zum Reich Gottes (11. Mai). Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben (18. Mai). Er verheißt uns den Geist des Vaters (25. Mai). Zu Christi Himmelfahrt lädt er uns zur Mission ein (29. Juni). Er betet für uns (1. Juni). Zu Pfingsten übermittelt er uns seinen Geist des Friedens und der Vergebung (8. Juni). Zum Dreifaltigkeitsfest entdecken wir die drei Gesichter Gottes (15. Juni). Zu Fronleichnam schenkt Christus sich uns als lebendiges Brot (22. Juni). Und zum Herz-Jesu-Fest, das letzte Fest, das zur Osterzeit gehört und immer auf einen Freitag fällt, tritt er sanft und demütig im Herzen vor uns auf (27. Juni).


Dieser liturgische Zyklus ist in einen kosmischen Zyklus integriert, dessen Dreh- und Angelpunkt das Osterfest ist, da es durch die Begegnung von Sonne und Mond gekennzeichnet ist: Es wird am Sonntag nach dem ersten Frühlingsmond gefeiert, das heißt zu dem Zeitpunkt, wo der Tag länger wird als die Nacht und wo die Nacht durch den Vollmond erleuchtet wird. Christi Himmelfahrt hingegen fällt auf einen Tag ohne Mond, ein Zeichen für die materielle Abwesenheit Christi. Das Fest der Dreifaltigkeit fällt auf einen Tag mit Vollmond, denn es bedeutet die Einheit Gottes. Das Fronleichnamsfest fällt auf einen Tag mit Halbmond, ein Zeichen für die Hostie, von der ein Teil fehlt –laut Julienne de Cornillon. (Dies werden wir am Donnerstag, den 19. Juni während der Prozession, die abends von S. Martin zur Lütticher Kathedrale geht, feststellen.) Und das Herz-Jesu-Fest, das das letzte Fest ist, das zur Osterzeit gehört und immer auf einen Freitag fällt, erinnert an die Demut des leidenden Herzens Jesu und fällt auf einen Tag ohne Mond. Die Liturgie war darauf bedacht, diese Feste in einen kosmischen Zyklus einzubringen, um zu zeigen, dass unser Glaube verbunden ist mit der Schaffung, der Natur, in ihrer Kohärenz und ihrem Mysterium.


Es ist diese Verankerung unseres Glaubens in der kosmischen Dimension, die die Leute anlässlich des Phänomens der leuchtenden Jungfrau Maria von Jalhay gespürt haben. Das Wunderbare der Natur und ihrer Objekte wird zum Weg des Glaubens und des Gebets, insbesondere für diejenigen, die in ihrem Körper oder ihrer Seele leiden und Heilung suchen. Das Mysterium des Mikrokosmos (das menschliche Wesen) begegnet dem Makrokosmos (die Natur und der Kosmos) über den Glauben an Christus und die Fürsprache Mariä. Unser Glaube besteht demnach nicht nur aus einer persönlichen Ethik und Spiritualität; er ist auch in der Begegnung des Menschen und seiner Welt verankert; er stellt sich in den Dienst des Menschen und der Welt. So lautet auch die Botschaft von Ostern und der Osterzeit.


Während dieser Osterzeit wird das Bistum Lüttich Hochwürden Vincenzo Paglia, Vorsitzender des Päpstlichen Rates für die Familie am Montag, den 26. Mai um 20 Uhr in der Kirche S.-Jacques (Lüttich) empfangen. Er wird über die Auswirkungen der Globalisierung auf die Familie und über das „Evangelium der Familie“ sprechen, das heißt über die gute Nachricht, die die Familie darstellt. Angesichts der zahlreichen Probleme, die die Familie kennt, scheint mir dieses Zeugnis besonders nützlich, um im Sinne der Barmherzigkeit die neuen Familienprofile zu integrieren, insbesondere was den Platz der älteren Personen, der neu zusammengesetzten Familien, der wiederverheirateten Geschiedenen und vor allem den Verzicht auf die Heirat in den meisten unserer Gesellschaften betrifft. Dieses Zeugnis wird zur Vorbereitung der bischöflichen Synode über die Familie dienen, die im Oktober stattfindet, nach der Umfrage, die uns vorgeschlagen und positiv aufgenommen wurde.


Während der Fastenzeit hat unser Bistum Hochwürden Eugène Rixen, Bischof von Goiás (Brasilien), empfangen. Ich bin ihm sehr dankbar für das ergreifende Zeugnis, das er um sich verbreitet hat, über das Problem der landlosen Bauern, Opfer der industriellen Monokultur, die zu Armut, Ausbeutung und einem ökologischen Ungleichgewicht führt. Hochwürden Rixen hat gezeigt, wie sich die Christen für diese Bauern und gegen die Exzesse des wilden Liberalismus einsetzen; so hat er über den Glauben seiner Kirche vor Ort berichtet.


Wir haben unsererseits unter den Angriffen auf den Religionsunterricht gelitten. Wo doch die Programme des Religionsunterrichts dank einer Liste der Kompetenzen verbessert wurden und eine offizielle Ausbildung der Lehrer (im Dekret Titel und Funktionen der französischen Gemeinschaft von Belgien kodifiziert) festgelegt wurde, wird er Kritiken ausgesetzt, in denen er durch einen neutralen Philosophie- oder Werteunterricht ersetzt werden soll. Eine derartige Vorgehensweise würde dem Unterricht seinen pädagogischen Beitrag entziehen, den Schüler persönlich einzubinden. Außerdem ginge somit seine Aufgabe verloren, einen Zugang zu den Wurzeln unseres Glaubens in stichhaltiger Weise, weit entfernt von jeglichem Bekehrungseifer, zu schaffen. Ich hoffe, dass eine Vertiefung der bildenden Kraft des Religionsunterrichts, die die aktuelle Debatte hervorruft, es ermöglichen wird, den Nutzen und den Wert dieses Unterrichts sowie den Einsatz seiner Lehrer zu begreifen.


Während des Fasteneinkehrtages konnte ich die vier pastoralen Prioritäten für unser Bistum vorstellen, die ich um die vier Konstitutionen des Zweiten Vatikanischen Konzils und die apostolische Exhortation Evangelii gaudium von Papst Franziskus gegliedert habe. Sie finden diese auf der Mittelseite dieses Hefts unter dem Titel Ein pastorales „Kairos“. Sie sollen einige Richtlinien geben, die jeder Gemeinschaft helfen sollen, sich zu bewerten und neu aufleben zu lassen.


Der Monat Mai ist der Monat Mariä. In Banneux wird die Pilgersaison eröffnet. Maria hilft uns, auf dem Weg des Herrn fortzuschreiten: Lasst uns ihr unser Leben anvertrauen, damit sie dieses zu Christus führt.


Der Monat Mai wird auch durch die Wahlen gekennzeichnet. Es steht viel auf dem Spiel für Europa. Die Gründerrolle der europäischen Union, die unser Land übernommen hat, ist mehr denn je aktuell, und der Dialog der Kulturen, der dort praktiziert wird, ist ein Modell für Europa und die Welt. Während meines letzten Besuchs bei der Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft, wo ich herzlich empfangen wurde, konnte ich näher darauf eingehen. Ich hoffe, dass diese Werte während der Wahlen respektiert und wiedergefunden werden.


Ich wünsche allen eine schöne Osterzeit!


+ Jean-Pierre Delville,
Ihr Bischof


 



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